Posts mit dem Label Tim Burton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tim Burton werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. Dezember 2010

Alle Jahre wieder.... - Weihnachten und das Fernsehen

Ach, ja.. die Weihnachtszeit oder sollte man lieber sagen Adventszeit? Den Supermarktregalen nach beginnt die Vorweihnachtszeit ja schon Ende August oder spätestens Mitte September, wenn die ersten Lebkuchen auch außerhalb von Aachen und Nürnberg ihren Weg dorthin finden. Da ich Lebkuchen gerne esse, kann ich damit sehr gut leben, aber ursprünglich waren Lebkuchen und Spekulatius auch keine Weihnachtskekse. Die Gewürze waren halt sehr teuer und so konnte man sie sich nur an Weihnachten leisten. Ganz ohne "Würze" scheint jedoch das Fernsehen in den Tagen um das Weihnachtsfest auszukommen. Würde man jemandem statt dem aktuellen Programm einfach das von letztem Jahr vorspielen, so würde er wohl nur auf den Trichter kommen, weil bei den Jahresrückblicken andere Jahreszahlen stehen. Womit wir schon beim ersten Thema wären:
Warum macht man schon Anfang Dezember Jahresrückblicke? Das ist doch vergleichbar mit Leuten, die beim Fussballspiel in der 85ten Minute den Fernseher mit dem Kommentar "Ist eh' gelaufen" ausmachen und weggehen. Dass die gegnerische Mannschaft erst den Anschlusstreffer und dann den Ausgleich schießt und das Spiel in die Verlängerung geht, bekommen die gar nicht mehr mit. Für Kerner, Jauch, Gottschalk und Co endet das Jahr wohl einfach zwei bis vier Wochen früher als für den Rest von uns. Oder rechnen die beim Fernsehen in Kirchenjahren? Apropos Kirche: von den Missbrauchsfällen und der Lockerung des "Kondom-Verbots" habe ich in dem, was ich von diesen Sendungen gesehen habe, nichts gehört. Beim nachträglichen Recherchieren taucht dann mal der Name Bischof Stephan Ackermann aus Trier auf. Der wurde natürlich in keinen der Teaser gepackt oder groß angekündigt. Ganz unabhängig davon ist er lediglich der neue Missbrauchsbeauftragte. Die Verantwortlichen mal ordentlich in die Zange zu nehmen, scheint wohl nicht so ganz ins Konzept zu passen. Stattdessen lädt Jauch lieber was fürs Herz ein: ein irrer Opa, der zu den Charts des Jahres rumhampelt wie ein ADHS-Kind auf Kokain bei der Elektroschocktherapie. Nichts gegen den älteren Herren - wenn der Spaß daran hat, so rumzuhüpfen, soll er das gerne machen. Aber: Was hat der in einem Jahresrückblick verloren? Wobei ich ja sagen muss, dass er von den Gästen sogar noch zu den besseren gehörte. Wen hatte Jauch sonst geladen? Guido Westerwelle, Thilo Sarrazin und Daniela Katzenberger. Kamerageil, faul, realitätsfern, zu blöd zum Milchholen und Ansichten, die mich mehr so an die 1930er und frühen 1940er erinnern... und halt noch Daniela Katzenberger, auf die wenigstens der dritte und letzte Punkt definitiv nicht zutreffen. Das will schon was heißen, wenn unter drei Leuten die Katzenberger als leuchtendes Beispiel heraussticht. Okay, jetzt wird's schon wieder politisch, aber für Hass auf Westerwelle und Sarrazin muss man ja wahrlich nicht politikbegeistert sein - es genügt auch Ausländer, Chronischkranker, Arbeitsloser, Ossi oder Pflegekraft zu sein. Ach, und wir brauchen in so einem Jahresrückblick natürlich noch etwas schön Sensationslüsternes, damit der Zuschauer dieses Kribbeln bekommt. Was würden die bei so einem Jahresrückblick eigentlich machen, wenn in einem Jahr mal nichts schlimmes passiert wäret? Wäre doch schön, oder? Keine Massenpanik, kein eingestürzter Bergwerksstollen, kein Vulkanausbruch, kein Erdbeben, kein Tsunami, keine Überschwemmungen, keine Pandemie, kein Terroranschlag, kein Krieg, keine Aschewolke, keine Missbrauchsfälle, keine absaufende Bohrinsel, kein den Juchtenkäfer gefährdender Bahnhof, keine Laufzeitverlängerung, kein Amoklauf, kein Westerwelle - einfach mal gar nichts. Ein katastrophenfreies Jahr! Da würden sich alle drüber freuen - außer denen beim Fernsehen. Dann könnten sie nicht mit betulicher Stimme fragen: "Wie war das denn für Sie, als sie in dieser Massenpanik unter all den Schweinegrippe-Kranken waren, weil durch ein Erdbeben, der Bergwerksstollen, in dem gerade Guido Westerwelle Amok lief und Atomstromgegner zum Schutz des Juchtenkäfers einen Terroranschlag verübten, einstürzte, in dem sie sich gerade aufhielten, um vor einer durch einen Tsunamie ausgelösten Überschwemmung zu fliehen, die das Öl aus der leckenden Bohrplattform ins Landesinnere transportierte?"
Warum muss man bitte zwei junge Menschen, die aus der Sache bei der Loveparade gerade so lebend rausgekommen sind, vor die Kamera zerren? Wieso muss man Helmut Schmidt nochmal in ein Studio karren, wo er dann durch Antwortverweigerung seine Meinung zu Guido Westerwelle äußert, und obendrein in offenen Wunden bohren, indem man ihn zum Tod seiner Frau befragt?

Gottschalk wird genötigt einen Jahresrückblick zu moderieren, der praktisch um den Unfall von Samuel Koch konstruiert wird, der seit der letzten "Wetten dass...?"-Ausgabe ohnehin wie ein Schatten über Gottschalk hängt. Okay, der Vater wollte das so, aber auch hier muss man sich fragen, ob das ZDF hier nicht irgendwo in der Verpflichtung gewesen wäre, dem Mann davon abzuraten. Eine wirklich kluge Idee ist das ja nun nicht, dass wieder ins Fernsehen zurückzutragen und Gottschalk war wohl auch alles andere als happy darüber. Was mich in Bezug auf diesen Vorfall so wundert, war vor allem, dass es an dem Abend, als es passierte, noch ganz danach aussah, als würde der junge Mann keine bleibenden Schäden davontragen, denn soweit ich mich erinnere, sagte Gottschalk damals, Samuel könne seine Beine spüren und/oder bewegen.
Und eine Vielzahl der großen Aufreger des Jahres werden ganz bewusst ausgeklammert oder am Rande abgehandelt: Aschewolke? Bohrinsel? Hätte man doch mal einen von BP einladen können, oder? Was ist zum Beispiel mit der televisionären Lynchjustiz für Kinderschänder und Metereologen? Klar, für die Frau unseres Verteidigungsministers und Alice Schwartzer war das toll, aber in einem Rechtsstaat doch eher fragwürdig. RTL2 brachte einen ja fast soweit, dass man noch Mitleid mit den Typen hatte - und sein wir mal ehrlich: Wenn jemand eine sexuelle Neigung hat, die ihn zu einem potenziellen Straftäter macht, sollte man zusehen, dass man den in eine gute Therapie steckt und nicht ins Fernsehen. VORBEUGUNG ist das Zauberwort. Stattdessen tritt man die Bürgerrechte mit Füßen, stellt die potenziellen Kinderschänder, verfolgt das Ganze danach aber nicht weiter. Überhaupt habe ich, wenn ich so aufs Jahr zurückblicke, das Gefühl, das Fernsehen hätte uns ständig mit irgendwelchen Sexualstraftaten vor der Nase rumgefuchtelt, wobei die definitiv schuldigen Kinderschänder aus den Reihen des Klerus besser wegkamen, als ein mutmaßlicher Vergewaltiger, nur weil der im Ersten das Wetter moderierte. Wo waren Alice Schwartzer und Stephanie zu Guttenberg denn, als die katholische Kirche überrascht feststellte, dass sie über Jahrzehnte Pädophile, Kinderschänder und Gewaltverbrecher gedeckt hatte? So ein Thema macht sich halt nicht so gut, in einer Unterhaltungssendung am Sonntagabend... 'nen Kohlekumpel aus Chile reinkarren, der dann irgendwas auf Spanisch stammelt, ist da schon besser, denn die Geschichte ging ja gut aus. Das ist was fürs Herz - wie gemacht für die Adventszeit. Bischof Mixa hingegen verdirbt wohl den Appetit auf Lebkuchen. Oder man könnte einen von den Polizisten einladen, die Schülern mit abgelaufenem Pfefferspray die Augen rausbrennen und die Rentner mit dem Wasserwerfer ausm Rollstuhl schießen mussten. Nein, kein Beitrag über Ansätze eines Polizeistaates in einem zumindest offiziell demokratischen Rechtsstaat. Apropos: Joachim Gauck war ja bei Kerner zu Gast. Ich gestehe, die Sendung nicht gesehen zu haben, aber liege ich falsch, wenn ich mutmaße, dass dabei nicht zur Sprache kam, dass unsere Politiker unter dem Schutz des Grundgesetzes selbiges gebrochen haben? Im Grundgesetz steht, dass jeder Abgeordnete und jedes Mitglied der Volksversammlung dazu verpflichtet ist, nach seinem Gewissen abzustimmen, dennoch habe ich immer noch im Ohr, wie ein CDU-Politiker vor dem dritten Wahlgang unverholen in die Kamera sagte: "Wir haben in unseren Reihen Geschlossenheit hergestellt." Diese Liste könnte ich noch endlos fortführen, lasse es aber an dieser Stelle mal lieber und schließe diesen Punkt mit: Das Fernsehen beschäftigt sich ungern damit, dass es uns zusammen mit den Politikern und Lobbyisten nach Herzenslust verarscht.
Dennoch hat das Elend einen wichtigen Stellenwert in der Programmplanung der Fernsehsender vor Weihnachten. Statt im Jahresrückblick darüber zu sprechen, setzt man uns jedes Jahr im Dezember ein paar Prominente vor die Nase, die um Spenden für die hungernden AIDS-Waisen in Afrika bitten. Das ist der moderne Ablasshandel, denn einmal in der Stunde taucht ein Vertreter irgendeines in Miskredit geratenen Großkonzerns auf und überreicht dem Moderator einen Scheck in der Größe eines Kinoplakats. Auf dem Scheck steht dann für gewöhnlich irgendein Betrag, den das betreffende Unternehmen aus der Portokasse zahlt und zudem noch wunderbar von der Steuer absetzen kann - kommt beim Volk besser an, als die Kohle nach Liechtenstein zu schicken. Ein Großunternehmer, dem es wirklich daraum geht, etwas für ärmere Menschen zu tun, macht das ohne Medienrummel. Das gleiche gilt für Prominente: der in diesem Jahr verstorbene Christoph Schlingensief (dessen Tod fällt natürlich auch untern Tisch) arbeitete an einem "Opernhaus" (letztlich aber mehr eine Art Haus für kulturelle Projekte aller Art) in Afrika und erzählte in den Medien nur selten davon - meist um Unterstützung zu finden. Emma Watson stellt mit namenhaften Unternehmen aus der Bekleidungsindustrie Kollektionen zusammen, die ohne Kinderarbeit und Ausbeutung von Drittweltländern auskommen. Frank Zander organisiert seit 1995 jedes Jahr ein Weihnachtsessen für Obdachlose. Das sind jetzt nur die drei, die mir spontan einfallen, und von denen sieht man keine Fernsehauftritte, wo sie das rausposaunen müssen. Ginge es wirklich um den guten Zweck könnten Promis und Unternehmer das Geld mit den Produktionskosten und Gagen für die jeweilige Show zusammenschmeißen und unbürokratisch in Hilfsprojekte stecken. Stattdessen machen die ein riesen Theater und paaren die Aufnahmen vom Besuch an einer afrikanischen Schule dann am besten noch mit ein paar heiteren Weihnachtssketchen. Okay, mittlerweile gibt es etliche Comedy-Weihnachtsshows, die wie die Volksmusik-Weihnachtsshows schon im Sommer (vermutlich gleich für die nächsten drei Jahre aufeinmal) aufgezeichnet werden, nicht um Spenden bitten und inhaltlich so platt sind wie ein Blatt Löschpapier. Mal ganz abgesehen davon: Was die Menschen in Afrika brauchen, ist selten das, was die Europäer denen schicken. Vor einiger Zeit habe ich für meine Tante einen Film über eine Partnerschule (meine Tante ist wie die halbe Familie Lehrerin) in Malawi zusammengeschnitten. Daher kenn ich dieses schöne Fallbeispiel: Dieser Schule wurden von der EU 500 blaue Plastikstühle gespendet. Jetzt die Frage: Was fängt man mit 500 Plastikstühlen an, wenn man nicht mal halb so viele Schüler hat? Obendrein hat die Schule keine Tische, keine vernünftigen sanitären Anlagen, keine Betten für die Schüler, die die Schule als Internat besuchen, und etwa ein Buch für fünf Schüler. Was soll ich im Unterricht mit einem Stuhl ohne Tisch? Und wären ausreichend Lehrmittel - also Bücher - nicht sinnvoller gewesen, damit die Kinder etwas aus sich machen können? Von dem ganzen Käse mit den Patenschaften, die das Gewissen von Einzelpersonen beruhigen, aber das Problem nicht lösen, sondern eher noch zementieren, will ich lieber gar nicht erst anfangen. Aber wenn wir und die Medienaffen zu Weihnachten unser Gewissen beruhigen wollen, kommt so eine Spende einfach besser, sonst müsste man sich ja mal ernsthaft mit diesen Problemen auseinandersetzen und das will eigentlich keiner. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich in meiner Grundschulzeit immer einen recht großen Anteil meines Taschengeldes vor Weihnachten für eine Spendenaktion in unserer Kirche gespendet habe, weil ich fürchten muss, dass davon allenfalls ein Bruchteil je da ankam, wo es hinsollte. Vermutlich hat der Pfaffe das Geld an Heiligabend versoffen oder in Wertpapieren der Hypo Real Estate angelegt.
Wenden wir uns jetzt aber mal etwas angenehmeren Aspekten des Fernsehens in der Vorweihnachtszeit zu und zwar den Filmen und Serien-Specials, die man fast jedes Jahr zu sehen bekommt und die für mich teilweise auch einfach dazu gehören. Leider habe ich meinen Pflicht-Weihnachtsfilm dieses Jahr tatsächlich verpennt: "Das Wunder von Manhattan". Auch wenn der Film mehr als einmal droht, im totalen Kitsch zu versinken, kriegt er immer noch gerade so die Kurve. Sir Richard Attenborough ist für mich einfach der einzig ligitime Film-Weihnachtsmann. Er passt perfekt in die Rolle und verkörpert den Charakter sehr menschlich. Dieser Santa Clause hat durchaus Schwächen, ist etwas wunderlich und man kann bis zum Ende nie 100%ig sicher sein, dass er auch wirklich echt ist. Das macht letztlich den Reiz des Films aus: der Zuschauer bleibt mit dem selben Funken Zweifel zurück wie die Charaktere. So ein Santa Clause ist mir persönlich lieber als ein völlig fehlerfreier oder einer, der im feuerfesten Spezialanzug durch die Gegend fliegt und unserem Lost-Sawyer Juliet wegschnappt.
Aber wenn man an Tim Allen und Weihnachten denkt, kommt einem auch weniger "Santa Clause" 1-3 in den Sinn, sondern vor allem die Dekorationsschlacht auf dem Hause der Taylors in sämtlichen Weihnachtsfolgen von "Hör mal wer da hämmert" oder auch der Film "Verrückte Weihnachten", der auf dem Roman "Das Fest" von John Grisham basiert. Die Idee des Films und des Romans ist nun wahrlich genial: ein Ehepaar will Weihnachten ausfallen lassen, weil Töchterchen außerhaus ist und die zwei von dem Geld lieber in Urlaub wollen - und das in einer Vorstadt der Vereinigten Staaten. Leider passen Tim Allen und Jamie Lee Curtis nicht wirklich in diese Rollen und am Ende wird der Film dann doch etwas kitschig, aber das gehört zu Weihnachtsfilmen wohl zwangsläufig dazu. Die eigentlichen Stars des Films sind aber auch mehr die Nachbarn, die das Ehepaar Krank mehr als penetrant dazu bringen wollen, ihr Haus zu dekorieren und ihre alljährliche Weihnachtsfeier auszurichten. Der daraus entstehende Kleinkrieg ist wahrlich sehr amüsant.
Eine Weihnachtskomödie der etwas anderen Art ist der britische Film "Tatsächlich... Liebe". Obwohl ich in der Regel weder mit Liebes- noch mit Weihnachtsfilmen so wirklich viel anfangen kann, gefällt mir dieser richtig gut. Die Briten haben das mit den Komödien einfach drauf. In diesem Film laufen viele kleine Handlungsstränge um unterschiedliche Liebesbeziehungen, die entstehen, zerbrechen oder nie gänzlich zustande kommen, nebeneinanderher und verschmelzen durch wenige Berührungspunkte dann doch irgendwie zu einer Einheit. Und das Cast kann sich wirklich sehen lassen: Bill Nighy, Alan Rickman, Keira Knightley, Liam Neeson, Hugh Grant, Emma Thompson, Laura Linney, Colin Firth, Rowan Atkinson, Heike Makatsch etc. Kleine Randnotiz: Wie ich gerade bei Wikipedia lese (wollte die Darstellerliste nochmal kontrollieren und gucken, ob ich wen vergessen habe, der wichtig ist... ja, hab ich, ich sag aber nicht wen^^) hat das Lexikon des Internationalen Films auch hier wieder was zu meckern. Ich habe wirklich bei noch keinem Film mal eine positive Kritik aus diesem Werk gelesen, aber professionelle Filmkritiker scheinen eh' mehr am Meckern interessiert zu sein. Ich finde den Film unterhaltsam und kurzweilig und vor allem für einen Weihnachtsfilm ebenso wie für einen Liebesfilm erfrischend "kitscharm".
Ich bin aber auch ein großer Fan von etwas morbideren Filmen, die den ganzen Weihnachtskitsch und die mythologischen Aspekte des Weihnachtsfestes auf die Schippe nehmen. Ein echter Klassiker aus dieser Sparte ist natürlich "Gremlins - Kleine Monster", den man seit Jahren stets nur geschnitten zu Gesicht bekommt. Dennoch ein herrlich beknackter Film, der den ganzen Weihnachtskonsumterror ordentlich durch den Kakao zieht und vor abstrusen Einfällen nur so sprüt. Alleine die Szene mit dem Treppenlift ist einfach herrlich bösartig. Nicht zu vergessen Kates Horrorgeschichte, die begründet, warum sie Weihnachten hasst... und so fies die Gremlins sind, so niedlich ist Gizmo ;-) (besonders mit Santa-Cluase-Mütze).
Jedes Jahr ein absolutes Muss ist "The Nightmare before Christmas", den ich bei den Musicals wohlweißlich mal ausgesparrt hatte, von Tim Burton (Idee) und Henry Selick (Regie). Wo soll man bei dem Film nur anfangen? Er ist so vielschichtg, enthält viele Musicalelemente, karikiert die Bräuche zu Halloween und Weihnachten, ist eine Parabel auf das Aufeinandertreffen völlig gegensätzlicher Kulturen und die damit verbundenen Missverständnisse, parodiert andere Filme, ist bisweilen auch sehr dütser und dramatisch - alles in allem also einer der wenigen Filme, denen es gelingt, sowohl als Unterhaltungfilm wie auch als hintergründiges, mit viel Subtext versehenes Kunstwerk bestens zu funktionieren.
Es gibt nur einen anderen Weihnachtsfilm, dem das auf ähnlich kongeniale Weise gelingt: die Terry-Pratchett-Verfilmung "Hogfather". Hier ist es zwar nicht der Herrscher vom Halloweenland (in "The Nightmare before Christmas" Jack Skellington, in der Folklore ja eher Jack O'Lantern oder Samhain), sondern der Tod selbst, der Weihnachtsmann (also streng genommen das Scheibenwelt-Pendant dazu: den Hogfather) spielt, aber die damit verbundene Parodie auf die Weihnachtsbräuche ist im Kern recht ähnlich. Auch "Hogfather" spinnt die Handlung um Figuren des Brauchtums im Allgemeinen und so tauchen neben dem Hogfather (in der deutschen Fassung ziemlich sinnfrei mit "Schneevater" übersetzt) und dem Tod auch die Zahnfee, der Sockenfresser, der o Gott des Katzenjammers und der Warzengnom auf - die letzten drei entstehen durch das Glaubensvakuum, das durch das Verschwinden des Hogfathers entstanden ist, denn die Revisoren der Wirklichkeit (die Verkörperung des rein Rationalen). wollen den "Dicken" von der Assassinengilde inhumieren (also umbringen) lassen. Alles in Allem ist "Hogfather" ein überaus hintergründiger Film mit in weiten Teilen sehr schwarzem und/oder gesellschaftskritischen Humor, der viele Aspekte der Herkunft des Weihnachtsfestes mit einbezieht und so auch als dezente Religionskritik (vor allem am frühen Christentum) verstanden werden kann. Obendrein ist er auch noch recht spannend, für einen TV-Film überaus hochwertig produziert und so vielseitig, dass man ihn nicht nur an Weihnachten gucken kann. Nur die deutsche Übersetzung schlägt einem wie schon bei den Scheibenwelt-Romanen des Öfteren aufs Gemüt: die Übersetzung Hogfather = Schneevater erwähnte ich ja bereits, aber aus dem scheibenweltlichen Weihnachtsfest Hogswatch wird im Deutschen sehr plump Silvester gemacht und Mr. Teatime (alle sprechen es immer "tie-teim" aus, woraufhin er berichtigt, es spräche sich "tie-ah-tim-ei") wird zu Herrn Kaffeetrinken (tja, das wird es bei der Aussprache schlimm, denn er möchte im Deutschen nun statt "kaff-fee-trink-ken" "kaa-fee-trin-kenn" genannt werden und das ist ohne Kenntnis des O-Tons einfach bescheuert).
Ein Stück Weltliteratur wird uns hingegen jährlich in 108 verschiedenen Darreichungsformen präsentiert: Charles Dickens' "A Christmas Carol". Und ganz ehrlich: ich kann das Ding nicht mehr sehen und alles, was ich letztes Jahr dachte, als nun die animierte 3D-Fassung im Stil von "Der Polarexpress" und "Beowulf" in Kino kam, war: Bitte, nicht schon wieder. Wie oft denn noch? Okay, die Muppets-Version war immer ganz nett, weil sie sich auch nicht zu ernst genommen hat. "Die Geister, die ich rief" kann auch Bill Murray nicht wirklich rausreißen... die Story zu modernisieren ist ja eine nette Idee, aber diese ganzen auf eklig und schaurig getrimmten Geister passen für mich nicht so recht ins Bild. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht begreife, warum man diese Story auf über 100 Minuten auswalzen muss. Ganz nett war es ja immer, wenn Sitcoms oder Trickserien die Geschichte als Weihnachtsspecial aufgearbeitet haben, weil da die Charakterkonsteallationen und der satirisch-parodistische Unterton der Sache einen gewissen Pfiff gaben, aber das ist kein Grund alle zwei Jahre noch eine Verfilmung auf den Markt zu schmeißen. Bitte, bitte, bitte, liebe Leutchen in Hollywood, denkt euch zu Weihnachten mal was neues aus, denn wenn ich noch eine Adaption der Christmas Carol, noch einen Film mit sprechenden Rentieren oder irgendetwas über einen Santa Claus sehe, der plötzlich mit der Realität und/oder mit einem Kind im Scheidungskrieg der Eltern konfrontiert wird , schrei ich. Ehrlich: Ich kann den Käse nicht mehr sehen!!! So, das musste mal gesagt werden. Was kommt denn noch an Weihnachten?
Klar, "Stirb Langsam"! Der Film spielt zugegeben an Weihnachten, aber das tut "Psycho" auch (also fast - im Advent zumindest) - ist "Psycho" deshalb ein Weihnachtsfilm? Nein, denn "Psycho" guckt man natürlich am Muttertag. Aber wenn der Papst sirbt oder Jesu Geburt gefeiert wird (die im Übrigen NICHT am 25.12. war), muss Pro7 bzw. Sat.1 einfach "Stirb langsam" zeigen. Ich weiß: letztes Jahr kam er nicht und da war ich persönlich richtig geschockt, weil ich gar nicht mehr wusste, was los war und schon alle Geschenke wieder einpacken wollte... apropos: Bei wem sind die amazon-Bestellungen von letzter Woche auch noch nicht da? Nur mal so eine Frage ganz am Rande.
Wirklich jedes Jahr vorgesetzt bekommt man auch den dritten Teil der National Lampoon’s-Reihe um Familie Griswold: "Schöne Bescherung". Ganz ehrlich: Ich kann mit dieser Art von Humor nichts anfangen und werde es wohl auch nie können. Okay, die Nummer mit der Weihnachtsbeleuchtung ist zurecht Kult geworden, aber ansonsten sind mir die Gags zu klamaukig, überzogen und prollig. Dann schon lieber "Weihnachten bei Hoppenstedts". Das ist mehr meine Abteilung und deshalb sage ich jetzt erstmal ein Gedicht auf:
"Zicke-zacke
Hühnerkacke!"
Allein Opa Hoppenstedt im Spielwarenladen ist einfach zu göttlich:
OPA HOPPENSTEDT: Haben Sie Spielzeug für mein Enkelkind zu Weihnachten?
VERKÄUFERIN: Und was darf es da sein?
OPA HOPPENSTEDT: Es muss ein bisschen was *mmhmm*
VERKÄUFERIN: Wie alt ist denn das Kind?
OPA HOPPENSTEDT hält die Hand waagerecht auf Bauchhöhe: Ungefähr so.
VERKÄUFERIN: Ein Junge oder Mädchen?
OPA HOPPENSTEDT: Tja?!
VERKÄUFERIN: Na, Sie werden doch wohl wissen, ob Ihr Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist.
OPA HOPPENSTEDT: Wieso?
VERKÄUFERIN: Wie heißt denn das Kleine?
OPA HOPPENSTEDT: Hoppenstedt. Wir heißen alle Hoppenstedt.
VERKÄUFERIN: Und mit Vornamen?
OPA HOPPENSTEDT: Dicki. Dicki Hoppenstedt.
VERKÄUFERIN: Und es...ääh... es ist ein Mädchen?
OPA HOPPENSTEDT: Nee.
VERKÄUFERIN: Also ein Junge.
OPA HOPPENSTEDT: Nee, nee, nee, nee, nee.
VERKÄUFERIN: Ja, was denn nun?
OPA HOPPENSTEDT: So genau kann ich das nicht sagen.
VERKÄUFERIN: Wie ist es denn angezogen?
OPA HOPPENSTEDT: Hosen, blaue Hosen.
VERKÄUFERIN: Na, vielleicht haben Sie es ja auch mal ohne Höschen gesehen.
neben Opa Hoppenstedt steht eine Kundin, die ein Holzspielzeug in der Hand hält und gerade einen Holzstift durch ein Loch schiebt.
OPA HOPPENSTEDT: Nein wozu denn? Er sieht zu der Kundin. Sagen Sie mal, was für ein Laden ist denn das hier eigentlich?
VERKÄUFERIN: Ich bitte Sie! zu ihrem Chef: Ich hatte den Herren nur gefragt, ob sein Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist. Zu Opa Hoppenstedt: Wenn Ihr Enkelkind ein Zipfelchen hat, müsste man es ja....
OPA HOPPENSTEDT: 'Zipfelchen'?
VERKÄUFERIN: Mein Gott, dann hat es eben kein Zipfelchen.
OPA HOPPENSTEDT: Mein Enkelkind hat alles, was es braucht: gesunde Eltern, ein anständiges Zuhause und Zucht und Ordnung.
Ach ja, Loriot hat(te) es einfach drauf und das schon vor 30 Jahren. Absoluter Kult und geniale Parodie auf Konsumgesellschaft und deutsche Weihnachtsrieten. Meine Mutter muss sich jedes Jahr folgende Sätze mindestens einmal anhören: "Früher war mehr Lametta", "Oh, eine Krawatte!", "Dieses Jahr ist der Baum grün. Grün und umweltfreundlich." und "Jetzt sei doch mal ein bisschen gemütlich." Ich liebe es^^.
Kommen wir zum Abschluss noch kurz auf Weihnachtsspecials bekannter TV-Serien zu sprechen. Die legendären Weihnachtsbeleuchtungs- und -dekorationswettkämpfe zwischen Tim Taylor und Doc Johnson in "Hör mal wer da hämmert" sprach ich ja schon an. Mein Favorit unter den Christmas-Specials ist aber das aus der ersten Staffel von "The Big Bang Theory", denn wiedereinmal entdecke ich gewisse Parallelen zwischen Sheldon und mir, da auch ich immer wieder dazu neige, den Leuten die Saturnalien... ähm das Weihnachtsfest durch Klugscheisserei mies zu machen^^. Aber auch die "Simpsons" warten ja jede Staffel mit einer Weihnachtsfolge auf und begannen sogar mit einem Christmas-Special, denn die ursprünglich als Pausenfüller angesetzten Figuren machten ihren Sprung auf eine 20minütige Episode mit einer Sonderausgabe zu Weihnachten. In späteren Folgen werden dann auch immer wieder mal kritischere Töne angeschlagen und man prangert Konsumterror und bestimmte amoralische Verhaltensweisen an - etwa: Geschenke abfackeln und allen erzählen, sie wären geklaut worden ODER sich die Geschenke tatsächlich selbst klauen... beides ging natürlich auf Barts Kappe. Bei "[scrubs]" fallen mir zuerst Dr. Cox als Grinch und das Weihnachtswunder im Park ein. Ach, und nicht zu vergessen der Hausmeister, der J.D, schon in seinem ersten Jahr ermahnte, er solle ihm nicht WIEDER das Weihnachtsfest ruinieren. Apropos Grinch... da fällt mir noch "How I met your Mother" ein, denn Lilly entpuppte sich ja als echter "Grinch", aber Ted hatte nicht wirklich "Grinch" gesagt.
So, ich mal mich jetzt grün an und geh Weihnachten klauen... bis dann und frohe Saturnalien, Hogswatch oder was auch immer ihr feiert.

Mittwoch, 10. November 2010

Meine persönlichen Top 25: Beste Filme

Da die Artikel, an denen ich derzeit arbeite, recht umfangreich werden, dachte ich, es wäre zumindest mal wieder Zeit für ein Ranking, obgleich ich das für die Serien eigentlich schon wieder aktualisieren könnte, aber jetzt sind erstmal die Filme dran. Ich habe bewusst nicht "Lieblingsfilme", sondern "Beste Filme" geschrieben, da es viele Filme mit großem Unterhaltungswert gibt, die man gerne und häufig guckt, die aber nicht unbedingt auch filmische Meisterwerke sind - so liebe ich zwar "Indiana Jones" oder "Pirates of the Caribbean" und zähle alle Teile zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, aber sie sind halt in aller erster Linie Popcorn-Kino und haben nicht wie etwa "Star Wars" das Kino revolutioniert. Seht diese Top25 also dieses spezielle Mal mehr als eine Art Querschnitt von Filmen, die in vier Kategorien von mir Bestnoten bekommen: Unterhaltungswert, Anspruch bzw. Originalität, filmische Umsetzung und meine ganz subjektiven Vorlieben. So finden sich in dem Ranking jetzt viele Filme, die ich großartig finde, aber dennoch erst ein- oder zweimal geguckt habe, weil sie so düster, bedrückend oder traurig sind, dass man sie sich nur schwerlich allzu oft zu Gemüte führen kann. Es sind aber auch Komödien darunter... kann sein, dass ich vielleicht sogar was vergessen habe, aber ich wollte mich auf 25 beschränken und das ist jetzt ein Querschnitt durch die Filme, die ich große Klasse finde - bei Filmreihen und dergleichen hab ich mich mal auf einen Teil daraus beschränkt, weil es sonst drohen würde, zu einseitig zu werden:

25. "In meinem Himmel": Den Film habe ich ja vor kurzem erst in einer Review vorgestellt, weshalb ich mich mal ganz kurz fasse und sage: der beste Film von Peter Jackson, der nicht auf einem Roman von John Ronald Reuel Tolkien basiert.



24. "Der Goldene Kompass": Leider, leider hat New Line Cinema die Reihe drangegeben und wird die anderen beiden Bände von Pullmans religions- und gesellschaftskritischer Fantasy-Saga "His Dark Materials" wohl nicht mehr verfilmen. Obgleich sich die Produktionsfirma auch schon beim ersten Teil nicht so recht traute, ebenso hart mit religiösen Institutionen ins Gericht zu gehen wie der Roman, ist die Adaption dennoch mehr als sehenswert - dennoch würde ich jedem raten, die Bücher zu lesen.



23. "Sieben": Natürlich muss David Fincher einen Platz in den Top25 haben und für mich ist "Sieben" sein cleverster Thriller. Ich liebe die düstere Atmosphäre und die wirklich logische, stringente Handlung, bei der man nie das Gefühl hat, die Macher wollten einem künstlich etwas vorenthalten. Der Film ist spannend und stimmig zugleich, was leider immer seltener wird.



22. "Die üblichen Verdächtigen": Gleich der nächste Thriller mit Kevin Spacey im Anschluss und hierzu ist wohl wirklich alles gesagt. Großartiger Thriller mit toller Besetzung. Spannung bis zum Schluss, denn das Ende hat es wahrlich in sich.



21. "Jurassic Park": Da es früher mal mein absoluter Lieblingsfilm war (ehe ich "Psycho kannte und bevor Platz #1 im Kino lief), konnte ich diesen Meilenstein der Filmgeschichte kaum außenvor lassen. Es ist gewiss nicht gerade der tiefgründigste Film aller Zeiten, doch zwischen all den Special-Effect-Dinos schimmert dennoch eine Kritik an Wissenschaft, Forschung und Fortschritt durch und es bleibt doch die Mahnung Ian Malcolms: "Ihre Leute waren nur daran interessiert, ob sie es schaffen konnten oder nicht. Ob sie es tun sollten, die Frage stellte sich keiner."



20. "Und täglich grüßt das Murmeltier": Eine reine Komödie wollte ich dann doch drin haben und über diesen Film kann ich mich auch nach Jahren noch köstlich amüsieren. Viele Sprüche haben längst Kultstatus - ein oft kopierter Geniestreich mit Bill Murray in absoluter Bestform... aber einen besseren Film hat er dann doch gemacht und zwar...



19. "Lost in Translation": Was soll man zu dem Film sagen? Außer, dass zumindest ich die meiste Zeit nur Japanisch verstanden habe. "Lost in Translation" besticht letztlich durch seine Einfachheit - in diesem Film wirkt nichts konstruiert, die Dinge passieren ganz beiläufig und so wirkt alles wie ein kurzer Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen, über die wir nur die nötigsten Informationen erhalten. Es ist eine Episode, wie sie jeder zeit auf der Welt passieren kann, ein winziger Blick in den Zeitraum im Leben der beiden Protagonisten, in dem sie einander begegneten. Anfang und Ende sind offen. Gleichzeitig karikiert Sofia Coppola das Aufeinanderprallen zweier Kulturen.



18. "Per Anhalter durch die Galaxis": Und gleich die nächste Adaption einer meiner Lieblingsromane. Douglas Adams selbst schrieb vor seinem frühen Tod noch einen Großteil des Drehbuches selbst und so ist die Neuverfilmung seiner Kult gewordenen Science-Fiction-Satire fast so gut wie das Buch selbst - der intelligenteste Nonsens, der je geschrieben oder verfilmt wurde. Und immer dran denken: Handtuch nicht vergessen!



17. "Sweeney Todd": Sowohl stellvertretend für die wenigen gescheiten Musical-Filme als auch für den exzentrischen, aber brillanten Tim Burton kommt auf Platz 17 die Verfilmung des blutigen Kult-Musicals über den Jack The Ripper der Friseursinnung: Sweeney Todd alias Benjamin Barker. Tolle Schauspieler, eindrucksvolle Bilder, Dramatik und düstere Musik. Ein genialer Film, an dem ich mich weder sattsehen noch -hören kann.



16. "Die Verurteilten": Okay, der Film ist in so einem Ranking ja schon fast obligatorisch und sicher die beste vieler hervorragender King-Verfilmungen. Wie so oft bei Stephen King ist die Geschichte düster und in diesem Fall auch sehr realitätsnah, da - eher untypisch für Stephen King - auf übernatürliche Elemente ganz verzichtet wurde. Während "The Green Mile" nie so ganz mein Fall war, mag ich aber auch die meisten anderen King-Filme - allen voran: "Der Nebel".



15. "Chihiros Reise ins Zauberland": Ein Animationsfilm muss selbstverständlich auch mit dabei sein und obgleich ich wahrlich kein Anime- und Manga-Fan bin, so bin ich doch ein großer Bewunderer von Hayao Miyazaki, denn seine Filme sind nicht nur tolle Trickfilme, sondern auch stets sehr tiefgründig und sprechen so meist sowohl ein sehr junges als auch ein erwachsenes Publikum an. Die Geschichte von Chihiro, die es ins Badehaus der Hexe Yubaba verschlägt, sprüht nur so vor absurden und lustigen Einfällen - weshalb es immer ein vergnügen ist diesen Film zu sehen.



14. "Matrix": "Was ist die Matrix?" - "Man muss sie selbst erleben!" In der Tat! Einer der wohl revolutionärsten Filme aller Zeiten. Anders als viele andere bin ich auch durchaus ein Fan der ganzen Matrix-Saga. Natürlich waren die zwei Fortsetzungen und die Kurzfilme der "Animatrix" nichts im Vergleich zum Original, doch gemessen an vielem anderen, was man so vorgesetzt bekommt, sind es immer noch gut gemachte und unterhaltsame Filme mit einem gewissen Anspruch. An die geistigen Höhenflüge des ersten Films kommen sie selbstverständlich nicht heran, aber das wäre in dem Fall wohl auch so gut wie unmöglich.



13. "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben ": "Mein Führer, ich kann wieder gehen!" Wunderbar absurde Polit-Satire von Stanley Kubrick (klar, ich hätte auch einige andere Filme von ihm hier reinnehmen können, aber dieser ist mein persönlicher Favorit) mit einem sehr ernsten Hintergrund. Ganz großes Kino mit Peter Sellers in Bestform - und das gleich dreimal! Wer ihn nicht gesehen hat, sollte es dringend ändern.



12. "Schindlers Liste": Ich muss mich jetzt mal outen: Ich stehen Steven Spielberg immer sehr zwiegespalten gegenüber - mit "Jurassic Park", "Der Weiße Hai", "E.T. - der Außerirdische" und den Indiana Jones-Filmen hat er einige geniale Filmklassiker geschaffen, die allesamt absoluter Kult sind und das mit Recht. Andererseits halte ich Spielberg dennoch für reichlich überschätzt, wenn man ihn mit einigen seiner Kollegen vergleicht. Besonders eines stört mich bei Spielberg immer wieder und gerade bei dem Ende von "Schindlers Liste" wird dies besonders deutlich: ein Hang zu kitschiger Theatralik. Der Film ist als Historienfilm ebenso wie als Plädoyer für mehr Menschlichkeit als auch als Mahnmal gegen das Nazi-Regime und für Oskar Schindler hervorragend - bis auf eines: diese völlig überzogene Szene, in der Schindler, kurz bevor er in seinen Wagen steigt und flieht, noch mit sich selbst hadert und in Schuldgefühlen und Selbstmitleid zerfließt. Das war so richtig typisch Steven Spielberg ;-) und deshalb "nur" Platz 12.



11. "Gandhi": Historienfilme sind ja oft eine sehr zweischneidige Sache und Biographien ebenso. Bei einer so außergewöhnlichen Figur wie Mohandas Karamchand Gandhi hätte da wirklich großer Schrott bei entstehen können, doch Sir Richard Attenborough schaffte es das Leben und Wirken Gandhis und auch dessen Wesen hervorragend auf die Leinwand zu bannen. Ein großartiger Film über einen noch großartigeren Menschen - sollte in keiner DVD-Sammlung fehlen.



10. "Star Wars - Episode III: Rache der Sith": Star Wars musste natürlich in die Top 10 und ich habe mich jetzt mal stellvertretend für die ganze schillernde Saga für meinen persönlichen Liebling entschieden. Episode III empfand ich stets als den vielschichtigsten und tiefgründigsten der Filme, womit er aus der Prequel-Trilogie heraussticht. Die Original-Trilogie schätze ich im Durchschnitt natürlich wie die meisten weit mehr, aber dieser eine Teil ist mir doch der liebste... allerdings nur im O-Ton, denn "Rache der Sith" ist wirklich so einer der ganz wenigen Fälle, wo die deutsche Synchronfassung beim besten Willen nicht auszuhalten ist.



9. "Million Dollar Baby": Normalerweise kann man mich mit Filmen über Sport ja ebenso jagen wie mit Sport selbst - ja, die einzige Möglichkeit mich ans Laufen zu bringen, ist mir mit einer anderen Sportart zu kommen. Doch ist dieser Film ja viel mehr. "Million Dollar Baby" ist ein vielschichtiges Filmdrama mit großartig gezeichneten und gespielten Charakteren. Außerdem war es der erste Film, bei dem ich am Ende doch etwas weinen musste, was ich aber eher als positiv sehe, denn Filme, die es schaffen einen so sehr zu berühren, zeugen von einer großen Kunstfertigkeit des Regisseurs.



8. "Planet der Affen": Die Rede ist natürlich vom Original von 1969, denn Burtons Remake ist zwar keineswegs schlecht, doch an die erste Adaption kommt er nicht heran. "Planet der Affen" ist für mich bis heute DAS Paradebeispiel für einen erstklassigen Science-Fiction-Film: gesellschaftskritisch, satirisch, vorausdenkend, spannend und originell. Das Ende ist legendär und die Figur des Professor Zaius zählt zu meinen absoluten Lieblingen unter den Filmcharakteren. Einfach Affenstark!



7. "Inglorious Basterds": Ich weiß, dass viele "Pulp Fiction" für Tarantinos Besten halten, doch ich muss gestehen, dass der Film sich mir nie so gänzlich erschlossen hat und mir "Reservoir Dogs" und "Kill Bill" stets mehr zugesagt haben. Und "Inglorious Basterds"? Ich war zunächst sehr skeptisch, wurde aber eines Besseren belehrt. Tarantino schmeißt zwar die historischen Fakten über Bord, fängt aber gleichzeitig die NS-Propaganda-Maschinerie und die Grausamkeit des Krieges ein wie kein zweiter. Die "Basterds" können nur die Helden sein, weil ihre Gegner Nazis sind, denn der Haufen von Lt. Aldo Raine ist an Sadismus und Grausamkeit nur von der braunen Landplage zu übertreffen. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern ein Blick in die Abgründe der menschlichen Natur und zugleich unterhaltsam wie kein anderer Kriegsfilm. Tarantino ist und bleibt halt ein cineastisches Genie.



6. "Der Herr der Ringe": Wehe, jetzt fragt einer: "Welcher Teil?" - das Buch wurde aufgeteilt, weil es zu lang war und beim Film ist es nicht viel anders. Der Abspann von "Die Rückkehr des Königs" macht unmissverständlich klar, dass auch Peter Jackson die Trilogie als einen 11-stündigen Monsterfilm verstanden wissen will. Apropos Peter Jackson: Ich weiß, dass viele Fans des Buches so ihre Probleme mit der Adaption haben, doch in meinen Augen hätte man es kaum besser machen können und wenn man den Film mal mit anderen Roman-Adaptionen vergleicht, sollte einem klar sein, wie glücklich man mit Jacksons Fassung sein sollte. Natürlich kommt der Film an das Buch nicht heran, doch das ist im Fall vom Herrn der Ringe auch schier unmöglich. Der Film ist nichtsdestotrotz großartiges, tiefgründiges Fantasy-Kino.



5. "Psycho": Lange Zeit mein Lieblingsfilm, aber mittlerweile etwas nach hinten gerückt. Nichtsdestotrotz bleibt Alfred Hitchcocks Psycho-Horror-Mystery-Thriller ein zeitloser Geniestreich - oft kopiert, selten erreicht, aber nie übertroffen! Auch nach 50 Jahren noch ist der Film einfach brillant, was mal wieder beweist, dass Hitchcock seiner Zeit weit voraus war. Mit einfachsten Mitteln wird Spannung erzeugt wie sie allenfalls noch von "Lost" erreicht wurde. Absoluter Kult!



4. "Requiem for a Dream": Noch einer dieser Filme, die einen mit einem eher unwohlen Gefühl in der Magengegend oder einem Kloß im Hals zurücklassen. Der Soundtrack von Clint Mansell ist - zumindest in meinen Augen - die großartigste Filmmusik, die je komponiert wurde. Darren Aronofskys Filme sind ja immer optisch brillant und hart an der Grenze des Erträglichen und "Requiem for a Dream" ist halt sein bester Film. Ich habe zwar nicht geheult, war aber am Ende schon kurz davor. Bedrückend. Brutalst ehrlich. Genial. Einer der besten Filme aller Zeiten, aber ich möchte ihn sobald kein zweites Mal sehen... ;-)



3. "Watchmen - Die Wächter": Selbst die stark gekürzte Kinofassung, wie wir sie hier in Deutschland zu sehen bekamen, ist schon genial - nicht so genial wie das Buch, aber genial genug für den dritten Platz. Zach Snyder ist halt doch ein Könner und gerade bei Graphic-Novel-Verfilmungen läuft er zur Hochform auf. Dass "Watchmen" an den Kinokassen eher floppte wundern nicht so wirklich, wenn man sich mal Online-Rezensionen durchliest und mal wieder bewiesen bekommt: Manche Menschen können nicht damit umgehen, wenn ein Film sie mal mit ernsthaften Themen konfrontiert und zum Nachdenken auffordert - gerade bei einer Comic-Verfilmung, wo viele Action pur erwarten, scheint das tödlich für den Erfolg eines Films zu sein. Traurig, traurig - ein Schicksal, mit dem "Watchmen" in diesem Ranking allerdings in bester Gesellschaft ist.



2. "Brücke nach Terabithia": Ein weitgehend unbekannter und völlig falsch vermarkteter Film. Einige bezeichnen ihn als Fantasyfilm, andere als Kinderfilm. Er ist weder das eine noch das andere, denn auch, wenn sich hier zwei Kinder eine Fanatasiewelt erschaffen, um den Schikanen ihrer Klassenkameraden und den Problemen ihrer Elternhäuser zu entfliehen, ist der Film nicht wirklich sehr kindertauglich (auch wenn das FSK da anderer Meinung war: "ohne Altersbeschränkung"). Besonders das letzte Drittel ist das Traurigste, was ich je in einem Film oder einer Serie gesehen habe, ohne jemals in überzogenen Pathos oder Kitsch abzugleiten. Überhaupt hat der Film eine großartige Erzählweise, denn alles entwickelt sich einfach, die Dinge passieren, nichts wirkt konstruiert. Umso mehr trifft einen das Ende, es beschäftigt einen. Guckt euch den Film an, wenn ihr ihn noch nicht kennt. Mich würde vor allem mal interessieren, wann ihr den Kampf mit den Tränen verloren habt, denn wer bei dem Film nicht heult, muss wohl ein Herz aus Stein haben. Deshalb: absolutes Meisterwerk und dennoch schaffe ich es mir nicht, die DVD ein zweites Mal bis zum Ende anzugucken, denn sobald die Stelle kommt, wo Jesse alleine in Terabithia ist und sein Vater ihn dort aufsucht, breche ich in Tränen aus. Da stehe ich auch zu, weil ich weiß, dass ich da nicht alleine bin.



1. "Pans Labyrinth": Große Überraschung! Ist ja nichts Neues, dass dieser Film in meinen Augen der beste Film aller Zeiten ist. Wie meine Nummer #2 ist auch "Pans Labyrinth" sehr traurig und handelt von einem Kind, welches in seine eigene Fantasiewelt flieht. Das Grauen von "Pans Labyrinth" geht allerdings weit über die Tragik von "Brücke nach Terabithia" hinaus. Guillermo del Toros Glanzstück ist eine kompromisslose Fabel über die Schrecken des Krieges, erzählt aus der Sicht eines Mädchens, Ofelia, und eines sadistischen Kriegstreibers, Vidal. Gerade der Charakter des Vidal ist eine absolute Ausnahmeerscheinung: ein Filmschurke, der nicht dämonisiert wird und gerade wegen seiner Menschlichkeit umso abstoßender wirkt - die wahre Natur des Bösen, grausam bis zu seinem letzten Atemzug und zugleich nicht gefühllos. Ein Filmschurke wie es keinen zweiten gibt! Und Ofelias Fantasiewelt? Auch hier existiert das Böse und alles wirkt wahrlich wie einem Traum entsprungen: surreal, nicht ohne bekannte Motive und zugleich frei von Klischees. Kein Film ist zugleich so schön und grausam zugleich. Ein Meisterwerk, das von seinen Gegensätzen lebt!

Samstag, 7. August 2010

Alice im Wunderland

So, ich hab wieder fleißig Filme geguckt und eigentlich sollte diese Review Teil des zweiten Pakets Kurz-Reviews sein, doch nun hab ich mich doch zu einer Review hinreißen lassen, die alles andere als kurz ist. Jetzt werde ich mich dann doch mal zurück an "Omega" und den Artikel zu "The new Men in Charge" für das Lost-Blog setzen. Ich hoffe, ich komme zwischendurch zu den Kurz-Reviews, wo in jedem Fall "#9" dabei sein wird und vermutlich auch "The Wolfman". Bei der dritten bin ich noch schwer am überlegen.

Das Kinderbuch "Alice im Wunderland" und dessen Nachfolger "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis Carroll sind ein Stoff, der wohl zu den meistverfilmten der Literaturgeschichte zählt - nun wäre Tim Burton, aber nun einmal nicht Tim Burton, wenn er einfach nur eine weitere Adaption aus dem Hut zaubern würde. Burton macht etwas, das wohl bei keinem anderen geglückt wäre: ein weiteres Sequel. Die Grundidee ist ähnlich wie bei Spielbergs "Hook" - so wie damals Peter Pan als Erwachsener nach Nimmerland zurückkehrte, schickt Burton nun Alice am Tag ihrer Verlobung Heim ins Wunderland. Doch während Peter sein altes Selbst wiederentdecken musste, muss Alice lernen, sich, so wie sie ist, in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zu behaupten: ein bisschen verrückt eben. Burton verknüpft also viele Elemente der Originalbücher von Carroll mit einer erwachseneren, epischen Story und was herauskommt ist ganz großes Kino. Während Burton sonst seinen Adaptionen eher mehr Nonsens verpasste, als ihre Vorlagen hatten, nimmt er Alice viele der abstrusen Dialoge. Normalerweise wäre das ein Grund, sich zu ärgern, doch wurde der Stoff schon oft genug nur geringfügig modifiziert verfilmt, um endlich mal etwas mit den Figuren und Einfällen zu spielen - schließlich ist die Vorlage so herrlich durchgeknallt und verspielt, dass sie geradezu danach schreit, mal modernisiert interpretiert zu werden. Was man bei anderen Literaturverfilmungen als sträfliche Ignoranz ansehen würde, ist bei "Alice im Wunderland" eigentlich Pflicht. Denn so wie Carroll selbst mit den Erzählungen anderer herumexperimentierte, sie parodierte und karikierte, wäre er Burton wohl kaum böse um die sehr freie, erwachsenere Neuinterpretation. Und der Nonsens fehlt nicht, er ist nur etwas in den Hintergrund gerückt - die neue Alice ist handlungsbetonter, epischer, bildgewaltiger und spannender, aber nichtsdestotrotz bleibt es Alice. Die Alice?
"Also, wenn sie's wär, wird sie's wohl sein!"

Nachdem Alice (Neuentdeckung Mia Wasikowska) es endlich geschafft hat, ihre Erinnerungen an ihre letzten Besuche im Wunderland als Träume zu verbuchen, flieht sie als junge Frau vor der Verlobung mit Hamish Ascot (Leo Bill) erneut ins Wunderland. Die großaufgezogene Verlobungsfeier wird herrlich überspitzt in Szene gesetzt und die Nebendarsteller übertreffen sich hier wahrlich in schrulligem und biederem Gebaren.
Alice stürzt also zurück ins Wunderland, das aber, wie wir nun erfahren, eigentlich Unterland hieß (der phonethische Fehler der jungen Alice, ist im Englischen natürlich um vieles verständlicher: "wonder" - "under"). Es folgt die altbekannte Szene mit Trank, Schlüssel, Tür und Kuchen, die von den Bewohnern des Unterlands, die Alice durch ein Schlüsselloch beobachten, kommentiert wird.
"Man sollte meinen, sie kenne das alles noch vom ersten Mal",
meint der Dodo mürrisch. Geschrumpft, gewachsen und wieder geschrumpft tritt Alice also ins Wunderland/Unterland ein.
Ihr Empfangskomitee bilden die Blumen, der Dodo (Michael Gough), die Haselmaus (Barbara Windsor), das Weiße Kaninchen (Michael Sheen), Diedeldum und Diedeldei (Matt Lucas in einer sehr schönen Doppelrolle).
"Ich bin Diedeldei, er Diedeldum" -
"Andersrum: Ich bin Diedeldum, er Diedeldei!"

Die Truppe streitet sich jedoch unentwegt, ob diese Alice, denn nun die richtige Alice sei.

Am Ende beschließen sie, Alice zu Absolem (Alan Rickman), der Raupe, zu bringen. Anders als bei den anderen reinen Sprechrollen (wie etwa dem Kaninchen oder dem Dodo) merkt man Absolem den "Darsteller" auch im Deutschen noch an, denn Absolem hat Rickmans deutsche Stammsynchronstimme Bernd Rumpf und die Raupe sieht Rickman im Gesicht zumindest etwas ähnlich. Aber jedem ist wohl klar: Alan Rickman gehört zu den Schauspielern, die man schwerlich synchronisieren kann - wie auch Hugo Weaving, Ian McDiarmid, Michael Emerson oder Christopher Lee, der in Alice auch eine kleine Sprechrolle hat.

Absolem zeigt Alice das Oracolum, ein Kompendium der Geschichte von Unterland, welches weissagt, Alice werde am Blumertag mit dem Vorpal-Schwert den Jabberwocky (dem lieh übrigens Christopher Lee seine Stimme) erschlagen.
"Der Tag wird blumer sein, denn du erschlägst den Jabberwocky."

Hier ist dem Team um Burton dann doch ein kleiner Fehler unterlaufen, denn "Jabberwocky" ist der Name des Gedichts, in dem die Kreatur Jabberwock ebenso wie der Bandersnatch und der Jubjub-Vogel erwähnt und mehr oder weniger umschrieben werden. Alle drei haben ihren Weg in die Filmadaption von Burton gefunden (von oben links nach unten rechts: Jabberwocky, Alice im Kampf mit selbigem, Bandersnatch und Jupjup-Vogel):

Der Bandersnatch ist es auch, der kurz nach Absolems Verkündung, Alice sei "nicht gänzlich" die richtige Alice, gefolgt von Soldaten der Roten Königin (Helena Bonham Carter - Tim Burtons Ehefrau) die kleine Versammlung angreift. Dodo und Kaninchen werden Gefangen genommen. Die Maus attackiert den Bandersnatch, stiehlt ihm das rechte Auge und Alice flieht in Begleitung von Diedeldei und Diedeldum zu einer Weggabelung, doch da wird's knifflig: Wo sollen sie lang gehen?
"Da lang: Ost nach Quost!" -
"Neeeeein, Süd nach Snüd!"
Der Jupjup-Vogel greift an und schnappt sich Alices streitlustige Begleiter. Die nun folgende Flugsequenz ist ziemlich eindeutig vor allem für den 3D-Effekt der Kino-Fassung im Film, denn obgleich sie sehr beeindruckend sein dürfte, wenn man sie in 3D auf der großen Leinwand sieht, so verliert sie im Heimkinoformat doch nahezu gänzlich an Reiz. Sie schafft aber zumindest einen fließenden Übergang zur ersten Szene im Schloss der Roten Königin, die hier vor allem als Antagonisten vorgestellt und etabliert werden soll. Und natürlich darf ein Satz hier nicht fehlen:
"AB MIT DEM KOPF!"
Alice trifft derweil auf die Grinsekatze (Stephen Fry), die sie zum Verrückten Hutmacher (Johnny Depp) führt, der natürlich wie üblich mit dem Märzhasen (Paul Whitehouse) Tee trinkt.
Tja, und hier kommen wir dann doch zu meinem einzigen wirklichen Kritikpunkt: Nicht, dass Johnny Depp in der Rolle nicht absolut großartig wäre oder ich etwas gegen seine häufige, aber stets überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit Burton hätte, nein, das Problem liegt hier woanders. Die Hauptfigur bei "Alice im Wunderland" ist nun einmal Alice und nicht der Hutmacher, welchem wegen Depp zu viel Gewicht in der Story beigemessen wird. Doch auch dann noch wächst der Charakter nicht über eine Nebenfigur hinaus. Und da muss man doch wirklich mal fragen, warum Johnny Depp auf DVD-Cover, Kinoplakat und so weiter als der Hauptdarsteller gefeiert wird und Mia Wasikowska in der Castingliste (auf der Rückseite der DVD-Hülle) sogar noch hinter Carter, Hathaway und Lucas steht. Da hat Disney sich in meinen Augen nun wirklich einen der größten Fauxpas der Filmgeschichte geleistet. Es ist ja nichts Neues, dass Studios immer meinen, sie bräuchten einen großen Namen auf dem Kinoplakat, der ordentlich Kinogänger zieht. Doch sonst hat man ja für gewöhnlich immerhin noch den Anstand besessen, den unbekannten Hauptdarsteller daneben zu listen. Aber in diesem Fall degradiert man die Hauptdarstellerin zu einer Art Beiwerk, der im sonstigen Staraufgebot untergeht. Das hat dieser Film nicht nötig, denn er spricht für sich und brauch nicht die Namen der Stars auf den Kinoplakaten. Außerdem tut es Mia Wasikowska Unrecht, denn die braucht sich hinter ihren berühmten Kollegen wahrlich nicht zu verstecken. Das ist gewiss Nichts, was man Depp oder Burton anlasten müsste, und es tut dem Film auch keinen Abbruch. Diese Marketingstrategie ist nur mal wieder ein Beweis dafür, wie in Hollywood die Uhren ticken - selbst bei richtig guten Filmen muss das Studio nochmal ordentlich Mainstream und große Namen erzwingen, weil es ja sonst kein Erfolg wird. Da frag ich mich doch echt, ob die Herren Studiobosse eigentlich niemals klug werden. Die Liste von Filmen, die ohne berühmte Stars große Erfolge feierten, ist lang. Noch länger ist nur die Liste von Filmen, die dem Rezept der Studios für Erfolgsgarantie entsprechen und an den Kinokassen scheiterten. Warum? Weil der Zuschauer letztlich nicht so blöd oder berechenbar ist, wie man ihn gerne hätte. Aber kehren wir aus der Kritik an den Mechanismen der Traumfabrik mal ins Wunderland zurück:
Vom Hutmacher erfährt Alice, dass die Herzkönigin/Rote Königin ihre Schwester, die Weiße Königin (Anne Hathaway) gestürzt hat. Kleine Randinfo zur Roten Königin/Herzkönigin: Burton setzt die beiden Antagonistinnen aus Band 1 und 2 gleich. Während sich der erste Band an einem Kartenspiel orientierte, war der zweite einem Schachspiel nachempfunden und anders als bei uns sind die Farben im Schach in Großbritannien für gewöhnlich nicht Weiß und Schwarz, sondern Weiß und Rot.
Der Hutmacher, der Märzhase, die Grinsekatze und "Alices Empfangskomitee" sind Teil einer Rebellion zum Sturz der "miesen Breitrübe" - ein Spitzname, den die Bewohner von Unterland ihrer tyrannischen Herrscherin verliehen haben. Die Rote Königin hat aber schon ihre Häscher nach Alice ausgesandt. Geführt werden die Truppen der Roten Königin vom Herz-Buben Ilosovic Stayne (Crispin Glover), der den Spürhund Bayard (Timothy Spall) dazu nötigt, Alice aufzuspüren.

Alice flieht jedoch mit der Hilfe des Hutmachers und kann sich sogar in den Hofstaat der Roten Königin einschleusen. So gelingt es ihr, nicht nur das Vorpal-Schwert zu stehlen, sondern sie kann auch den Bandersnatch für ihre Sache gewinnen, indem sie ihm sein Auge zurückgibt. Sie flieht auf der Kreatur zum Schloss der weißen Königin, welche nun zum Krieg rüstet, denn der Blumertag ist nah.

Im Schloss der Roten Königin gelingt derweil den Rebellen durch einen Trick von Grinsekatze und Hutmacher die Flucht.

Tja, und was dann folgt, kann sich wohl jeder denken: Es kommt zur finalen Schlacht, bei der ich mal lieber noch ein paar Bilder sprechen lasse:


Abschließend will ich noch ein mal auf das Thema "Traum" zu sprechen kommen. Zwar wird an vielen Stellen suggeriert, dass alle drei Besuche von Alice im Wunderland völlig real waren (sie behält sogar eine verletzung am Oberarm zurück), doch Burton versteckt auch viele Andeutungen, die auf das Gegenteil schließen lassen, womit die Frage doch wieder offen bleibt. Zunächsteinmal hat das Wunderland seine infantilen, kindlich verträumten Züge fast gänzlich verloren und ist praktisch mit Alice zusammen erwachsen geworden, behält aber ebenso wie sie unter der Oberfläche all die Verrücktheit bei. Dann finden sich starke Parallelen zwischen dem Hofstaat der Roten Königin und der Verlobungsgesellschaft in Gebaren und Kleidung. Zwei Mädchen bei eben jener Gesellschaft erinnern in ihrer Art des Gesprächs stark an Diedeldei und Diedeldum. Außerdem grüßt Alice in der letzten Szene einen Schmetterling, der auf ihrer Schulter landet: "Guten Tag, Absolem!" Aber vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo dazwischen und das Wunderland ist zwar real, aber so eng mit Alice verknüpft, dass es sich ihr in gewisser Weise anpasst.
Als Fazit kann ich nur sagen: Ein wunderbarer Film, der mich - wie eigentlich jeder Tim Burton-Film - sehr gut unterhalten hat, einen mal zum Lachen bringt und dann wieder traurig macht. Burton ist und bleibt ein Meister seines Faches, denn er hat eine Meise, ist verrückt, nicht bei Sinnen, aber ich verrate euch was:
"Das macht eben die Besten aus!"