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Mittwoch, 10. November 2010

Meine persönlichen Top 25: Beste Filme

Da die Artikel, an denen ich derzeit arbeite, recht umfangreich werden, dachte ich, es wäre zumindest mal wieder Zeit für ein Ranking, obgleich ich das für die Serien eigentlich schon wieder aktualisieren könnte, aber jetzt sind erstmal die Filme dran. Ich habe bewusst nicht "Lieblingsfilme", sondern "Beste Filme" geschrieben, da es viele Filme mit großem Unterhaltungswert gibt, die man gerne und häufig guckt, die aber nicht unbedingt auch filmische Meisterwerke sind - so liebe ich zwar "Indiana Jones" oder "Pirates of the Caribbean" und zähle alle Teile zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, aber sie sind halt in aller erster Linie Popcorn-Kino und haben nicht wie etwa "Star Wars" das Kino revolutioniert. Seht diese Top25 also dieses spezielle Mal mehr als eine Art Querschnitt von Filmen, die in vier Kategorien von mir Bestnoten bekommen: Unterhaltungswert, Anspruch bzw. Originalität, filmische Umsetzung und meine ganz subjektiven Vorlieben. So finden sich in dem Ranking jetzt viele Filme, die ich großartig finde, aber dennoch erst ein- oder zweimal geguckt habe, weil sie so düster, bedrückend oder traurig sind, dass man sie sich nur schwerlich allzu oft zu Gemüte führen kann. Es sind aber auch Komödien darunter... kann sein, dass ich vielleicht sogar was vergessen habe, aber ich wollte mich auf 25 beschränken und das ist jetzt ein Querschnitt durch die Filme, die ich große Klasse finde - bei Filmreihen und dergleichen hab ich mich mal auf einen Teil daraus beschränkt, weil es sonst drohen würde, zu einseitig zu werden:

25. "In meinem Himmel": Den Film habe ich ja vor kurzem erst in einer Review vorgestellt, weshalb ich mich mal ganz kurz fasse und sage: der beste Film von Peter Jackson, der nicht auf einem Roman von John Ronald Reuel Tolkien basiert.



24. "Der Goldene Kompass": Leider, leider hat New Line Cinema die Reihe drangegeben und wird die anderen beiden Bände von Pullmans religions- und gesellschaftskritischer Fantasy-Saga "His Dark Materials" wohl nicht mehr verfilmen. Obgleich sich die Produktionsfirma auch schon beim ersten Teil nicht so recht traute, ebenso hart mit religiösen Institutionen ins Gericht zu gehen wie der Roman, ist die Adaption dennoch mehr als sehenswert - dennoch würde ich jedem raten, die Bücher zu lesen.



23. "Sieben": Natürlich muss David Fincher einen Platz in den Top25 haben und für mich ist "Sieben" sein cleverster Thriller. Ich liebe die düstere Atmosphäre und die wirklich logische, stringente Handlung, bei der man nie das Gefühl hat, die Macher wollten einem künstlich etwas vorenthalten. Der Film ist spannend und stimmig zugleich, was leider immer seltener wird.



22. "Die üblichen Verdächtigen": Gleich der nächste Thriller mit Kevin Spacey im Anschluss und hierzu ist wohl wirklich alles gesagt. Großartiger Thriller mit toller Besetzung. Spannung bis zum Schluss, denn das Ende hat es wahrlich in sich.



21. "Jurassic Park": Da es früher mal mein absoluter Lieblingsfilm war (ehe ich "Psycho kannte und bevor Platz #1 im Kino lief), konnte ich diesen Meilenstein der Filmgeschichte kaum außenvor lassen. Es ist gewiss nicht gerade der tiefgründigste Film aller Zeiten, doch zwischen all den Special-Effect-Dinos schimmert dennoch eine Kritik an Wissenschaft, Forschung und Fortschritt durch und es bleibt doch die Mahnung Ian Malcolms: "Ihre Leute waren nur daran interessiert, ob sie es schaffen konnten oder nicht. Ob sie es tun sollten, die Frage stellte sich keiner."



20. "Und täglich grüßt das Murmeltier": Eine reine Komödie wollte ich dann doch drin haben und über diesen Film kann ich mich auch nach Jahren noch köstlich amüsieren. Viele Sprüche haben längst Kultstatus - ein oft kopierter Geniestreich mit Bill Murray in absoluter Bestform... aber einen besseren Film hat er dann doch gemacht und zwar...



19. "Lost in Translation": Was soll man zu dem Film sagen? Außer, dass zumindest ich die meiste Zeit nur Japanisch verstanden habe. "Lost in Translation" besticht letztlich durch seine Einfachheit - in diesem Film wirkt nichts konstruiert, die Dinge passieren ganz beiläufig und so wirkt alles wie ein kurzer Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen, über die wir nur die nötigsten Informationen erhalten. Es ist eine Episode, wie sie jeder zeit auf der Welt passieren kann, ein winziger Blick in den Zeitraum im Leben der beiden Protagonisten, in dem sie einander begegneten. Anfang und Ende sind offen. Gleichzeitig karikiert Sofia Coppola das Aufeinanderprallen zweier Kulturen.



18. "Per Anhalter durch die Galaxis": Und gleich die nächste Adaption einer meiner Lieblingsromane. Douglas Adams selbst schrieb vor seinem frühen Tod noch einen Großteil des Drehbuches selbst und so ist die Neuverfilmung seiner Kult gewordenen Science-Fiction-Satire fast so gut wie das Buch selbst - der intelligenteste Nonsens, der je geschrieben oder verfilmt wurde. Und immer dran denken: Handtuch nicht vergessen!



17. "Sweeney Todd": Sowohl stellvertretend für die wenigen gescheiten Musical-Filme als auch für den exzentrischen, aber brillanten Tim Burton kommt auf Platz 17 die Verfilmung des blutigen Kult-Musicals über den Jack The Ripper der Friseursinnung: Sweeney Todd alias Benjamin Barker. Tolle Schauspieler, eindrucksvolle Bilder, Dramatik und düstere Musik. Ein genialer Film, an dem ich mich weder sattsehen noch -hören kann.



16. "Die Verurteilten": Okay, der Film ist in so einem Ranking ja schon fast obligatorisch und sicher die beste vieler hervorragender King-Verfilmungen. Wie so oft bei Stephen King ist die Geschichte düster und in diesem Fall auch sehr realitätsnah, da - eher untypisch für Stephen King - auf übernatürliche Elemente ganz verzichtet wurde. Während "The Green Mile" nie so ganz mein Fall war, mag ich aber auch die meisten anderen King-Filme - allen voran: "Der Nebel".



15. "Chihiros Reise ins Zauberland": Ein Animationsfilm muss selbstverständlich auch mit dabei sein und obgleich ich wahrlich kein Anime- und Manga-Fan bin, so bin ich doch ein großer Bewunderer von Hayao Miyazaki, denn seine Filme sind nicht nur tolle Trickfilme, sondern auch stets sehr tiefgründig und sprechen so meist sowohl ein sehr junges als auch ein erwachsenes Publikum an. Die Geschichte von Chihiro, die es ins Badehaus der Hexe Yubaba verschlägt, sprüht nur so vor absurden und lustigen Einfällen - weshalb es immer ein vergnügen ist diesen Film zu sehen.



14. "Matrix": "Was ist die Matrix?" - "Man muss sie selbst erleben!" In der Tat! Einer der wohl revolutionärsten Filme aller Zeiten. Anders als viele andere bin ich auch durchaus ein Fan der ganzen Matrix-Saga. Natürlich waren die zwei Fortsetzungen und die Kurzfilme der "Animatrix" nichts im Vergleich zum Original, doch gemessen an vielem anderen, was man so vorgesetzt bekommt, sind es immer noch gut gemachte und unterhaltsame Filme mit einem gewissen Anspruch. An die geistigen Höhenflüge des ersten Films kommen sie selbstverständlich nicht heran, aber das wäre in dem Fall wohl auch so gut wie unmöglich.



13. "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben ": "Mein Führer, ich kann wieder gehen!" Wunderbar absurde Polit-Satire von Stanley Kubrick (klar, ich hätte auch einige andere Filme von ihm hier reinnehmen können, aber dieser ist mein persönlicher Favorit) mit einem sehr ernsten Hintergrund. Ganz großes Kino mit Peter Sellers in Bestform - und das gleich dreimal! Wer ihn nicht gesehen hat, sollte es dringend ändern.



12. "Schindlers Liste": Ich muss mich jetzt mal outen: Ich stehen Steven Spielberg immer sehr zwiegespalten gegenüber - mit "Jurassic Park", "Der Weiße Hai", "E.T. - der Außerirdische" und den Indiana Jones-Filmen hat er einige geniale Filmklassiker geschaffen, die allesamt absoluter Kult sind und das mit Recht. Andererseits halte ich Spielberg dennoch für reichlich überschätzt, wenn man ihn mit einigen seiner Kollegen vergleicht. Besonders eines stört mich bei Spielberg immer wieder und gerade bei dem Ende von "Schindlers Liste" wird dies besonders deutlich: ein Hang zu kitschiger Theatralik. Der Film ist als Historienfilm ebenso wie als Plädoyer für mehr Menschlichkeit als auch als Mahnmal gegen das Nazi-Regime und für Oskar Schindler hervorragend - bis auf eines: diese völlig überzogene Szene, in der Schindler, kurz bevor er in seinen Wagen steigt und flieht, noch mit sich selbst hadert und in Schuldgefühlen und Selbstmitleid zerfließt. Das war so richtig typisch Steven Spielberg ;-) und deshalb "nur" Platz 12.



11. "Gandhi": Historienfilme sind ja oft eine sehr zweischneidige Sache und Biographien ebenso. Bei einer so außergewöhnlichen Figur wie Mohandas Karamchand Gandhi hätte da wirklich großer Schrott bei entstehen können, doch Sir Richard Attenborough schaffte es das Leben und Wirken Gandhis und auch dessen Wesen hervorragend auf die Leinwand zu bannen. Ein großartiger Film über einen noch großartigeren Menschen - sollte in keiner DVD-Sammlung fehlen.



10. "Star Wars - Episode III: Rache der Sith": Star Wars musste natürlich in die Top 10 und ich habe mich jetzt mal stellvertretend für die ganze schillernde Saga für meinen persönlichen Liebling entschieden. Episode III empfand ich stets als den vielschichtigsten und tiefgründigsten der Filme, womit er aus der Prequel-Trilogie heraussticht. Die Original-Trilogie schätze ich im Durchschnitt natürlich wie die meisten weit mehr, aber dieser eine Teil ist mir doch der liebste... allerdings nur im O-Ton, denn "Rache der Sith" ist wirklich so einer der ganz wenigen Fälle, wo die deutsche Synchronfassung beim besten Willen nicht auszuhalten ist.



9. "Million Dollar Baby": Normalerweise kann man mich mit Filmen über Sport ja ebenso jagen wie mit Sport selbst - ja, die einzige Möglichkeit mich ans Laufen zu bringen, ist mir mit einer anderen Sportart zu kommen. Doch ist dieser Film ja viel mehr. "Million Dollar Baby" ist ein vielschichtiges Filmdrama mit großartig gezeichneten und gespielten Charakteren. Außerdem war es der erste Film, bei dem ich am Ende doch etwas weinen musste, was ich aber eher als positiv sehe, denn Filme, die es schaffen einen so sehr zu berühren, zeugen von einer großen Kunstfertigkeit des Regisseurs.



8. "Planet der Affen": Die Rede ist natürlich vom Original von 1969, denn Burtons Remake ist zwar keineswegs schlecht, doch an die erste Adaption kommt er nicht heran. "Planet der Affen" ist für mich bis heute DAS Paradebeispiel für einen erstklassigen Science-Fiction-Film: gesellschaftskritisch, satirisch, vorausdenkend, spannend und originell. Das Ende ist legendär und die Figur des Professor Zaius zählt zu meinen absoluten Lieblingen unter den Filmcharakteren. Einfach Affenstark!



7. "Inglorious Basterds": Ich weiß, dass viele "Pulp Fiction" für Tarantinos Besten halten, doch ich muss gestehen, dass der Film sich mir nie so gänzlich erschlossen hat und mir "Reservoir Dogs" und "Kill Bill" stets mehr zugesagt haben. Und "Inglorious Basterds"? Ich war zunächst sehr skeptisch, wurde aber eines Besseren belehrt. Tarantino schmeißt zwar die historischen Fakten über Bord, fängt aber gleichzeitig die NS-Propaganda-Maschinerie und die Grausamkeit des Krieges ein wie kein zweiter. Die "Basterds" können nur die Helden sein, weil ihre Gegner Nazis sind, denn der Haufen von Lt. Aldo Raine ist an Sadismus und Grausamkeit nur von der braunen Landplage zu übertreffen. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern ein Blick in die Abgründe der menschlichen Natur und zugleich unterhaltsam wie kein anderer Kriegsfilm. Tarantino ist und bleibt halt ein cineastisches Genie.



6. "Der Herr der Ringe": Wehe, jetzt fragt einer: "Welcher Teil?" - das Buch wurde aufgeteilt, weil es zu lang war und beim Film ist es nicht viel anders. Der Abspann von "Die Rückkehr des Königs" macht unmissverständlich klar, dass auch Peter Jackson die Trilogie als einen 11-stündigen Monsterfilm verstanden wissen will. Apropos Peter Jackson: Ich weiß, dass viele Fans des Buches so ihre Probleme mit der Adaption haben, doch in meinen Augen hätte man es kaum besser machen können und wenn man den Film mal mit anderen Roman-Adaptionen vergleicht, sollte einem klar sein, wie glücklich man mit Jacksons Fassung sein sollte. Natürlich kommt der Film an das Buch nicht heran, doch das ist im Fall vom Herrn der Ringe auch schier unmöglich. Der Film ist nichtsdestotrotz großartiges, tiefgründiges Fantasy-Kino.



5. "Psycho": Lange Zeit mein Lieblingsfilm, aber mittlerweile etwas nach hinten gerückt. Nichtsdestotrotz bleibt Alfred Hitchcocks Psycho-Horror-Mystery-Thriller ein zeitloser Geniestreich - oft kopiert, selten erreicht, aber nie übertroffen! Auch nach 50 Jahren noch ist der Film einfach brillant, was mal wieder beweist, dass Hitchcock seiner Zeit weit voraus war. Mit einfachsten Mitteln wird Spannung erzeugt wie sie allenfalls noch von "Lost" erreicht wurde. Absoluter Kult!



4. "Requiem for a Dream": Noch einer dieser Filme, die einen mit einem eher unwohlen Gefühl in der Magengegend oder einem Kloß im Hals zurücklassen. Der Soundtrack von Clint Mansell ist - zumindest in meinen Augen - die großartigste Filmmusik, die je komponiert wurde. Darren Aronofskys Filme sind ja immer optisch brillant und hart an der Grenze des Erträglichen und "Requiem for a Dream" ist halt sein bester Film. Ich habe zwar nicht geheult, war aber am Ende schon kurz davor. Bedrückend. Brutalst ehrlich. Genial. Einer der besten Filme aller Zeiten, aber ich möchte ihn sobald kein zweites Mal sehen... ;-)



3. "Watchmen - Die Wächter": Selbst die stark gekürzte Kinofassung, wie wir sie hier in Deutschland zu sehen bekamen, ist schon genial - nicht so genial wie das Buch, aber genial genug für den dritten Platz. Zach Snyder ist halt doch ein Könner und gerade bei Graphic-Novel-Verfilmungen läuft er zur Hochform auf. Dass "Watchmen" an den Kinokassen eher floppte wundern nicht so wirklich, wenn man sich mal Online-Rezensionen durchliest und mal wieder bewiesen bekommt: Manche Menschen können nicht damit umgehen, wenn ein Film sie mal mit ernsthaften Themen konfrontiert und zum Nachdenken auffordert - gerade bei einer Comic-Verfilmung, wo viele Action pur erwarten, scheint das tödlich für den Erfolg eines Films zu sein. Traurig, traurig - ein Schicksal, mit dem "Watchmen" in diesem Ranking allerdings in bester Gesellschaft ist.



2. "Brücke nach Terabithia": Ein weitgehend unbekannter und völlig falsch vermarkteter Film. Einige bezeichnen ihn als Fantasyfilm, andere als Kinderfilm. Er ist weder das eine noch das andere, denn auch, wenn sich hier zwei Kinder eine Fanatasiewelt erschaffen, um den Schikanen ihrer Klassenkameraden und den Problemen ihrer Elternhäuser zu entfliehen, ist der Film nicht wirklich sehr kindertauglich (auch wenn das FSK da anderer Meinung war: "ohne Altersbeschränkung"). Besonders das letzte Drittel ist das Traurigste, was ich je in einem Film oder einer Serie gesehen habe, ohne jemals in überzogenen Pathos oder Kitsch abzugleiten. Überhaupt hat der Film eine großartige Erzählweise, denn alles entwickelt sich einfach, die Dinge passieren, nichts wirkt konstruiert. Umso mehr trifft einen das Ende, es beschäftigt einen. Guckt euch den Film an, wenn ihr ihn noch nicht kennt. Mich würde vor allem mal interessieren, wann ihr den Kampf mit den Tränen verloren habt, denn wer bei dem Film nicht heult, muss wohl ein Herz aus Stein haben. Deshalb: absolutes Meisterwerk und dennoch schaffe ich es mir nicht, die DVD ein zweites Mal bis zum Ende anzugucken, denn sobald die Stelle kommt, wo Jesse alleine in Terabithia ist und sein Vater ihn dort aufsucht, breche ich in Tränen aus. Da stehe ich auch zu, weil ich weiß, dass ich da nicht alleine bin.



1. "Pans Labyrinth": Große Überraschung! Ist ja nichts Neues, dass dieser Film in meinen Augen der beste Film aller Zeiten ist. Wie meine Nummer #2 ist auch "Pans Labyrinth" sehr traurig und handelt von einem Kind, welches in seine eigene Fantasiewelt flieht. Das Grauen von "Pans Labyrinth" geht allerdings weit über die Tragik von "Brücke nach Terabithia" hinaus. Guillermo del Toros Glanzstück ist eine kompromisslose Fabel über die Schrecken des Krieges, erzählt aus der Sicht eines Mädchens, Ofelia, und eines sadistischen Kriegstreibers, Vidal. Gerade der Charakter des Vidal ist eine absolute Ausnahmeerscheinung: ein Filmschurke, der nicht dämonisiert wird und gerade wegen seiner Menschlichkeit umso abstoßender wirkt - die wahre Natur des Bösen, grausam bis zu seinem letzten Atemzug und zugleich nicht gefühllos. Ein Filmschurke wie es keinen zweiten gibt! Und Ofelias Fantasiewelt? Auch hier existiert das Böse und alles wirkt wahrlich wie einem Traum entsprungen: surreal, nicht ohne bekannte Motive und zugleich frei von Klischees. Kein Film ist zugleich so schön und grausam zugleich. Ein Meisterwerk, das von seinen Gegensätzen lebt!

Mittwoch, 15. September 2010

Kurz-Reviews II

So, da bin ich wieder und der zweite Block Kurz-Reviews ist wieder ein ziemlich wild durcheinander gewirbelter Haufen und dieses Mal beginne ich ausnahmsweise mit dem schwächsten Glied der Kette.

Kampf der Titanen/Clash of the Titans:
Jetzt werden einige verdutzt fragen: "Eye komm, das ist doch nicht dein Ernst? Willst du uns den wirklich empfehlen?" Ich antworte: Ja und Nein. Für mich ist dieser Film eines der besten Beispiele dafür, dass es bei einigen Filmen Mode zu sein scheint, sie schlecht zu reden. Shyamalans "Lady in the Water" war auch so ein Fall, wo ich beschlossen hatte, mir selbst ein Bild zu machen und dann dachte: Wo ist euer Problem? Bei "The Village" konnte ich die Enttäuschung noch verstehen, denn der wurde völlig falsch vermarktet und hatte mit "The Sixth Sense" und "Signs" (meiner Meinung nach Shyamalans bester - ich weiß: damit stehe ich auf verlorenem Posten) nur noch wenig gemein. Doch bei "Lady in the Water" wusste man, was einen erwartet und der Film hatte genug originelle Einfälle und spielte mit den üblichen Klischees satirisch herum. Vermutlich hatten die Filmkritiker den Streifen gefressen, weil der Filmkritiker selbst die einzige Figur im Film ist, die gefressen wird.
Mit "Kampf der Titanen" verhält es sich ganz ähnlich. Der Film will weder anspruchsvoll noch originell sein - hat diesen Anspruch auch nie erhoben. Es ist Popcorn-Kino, ein Actionreißer mit etwas Sandalenfilm-Romantik. Offen gestanden frag ich mich, was die Leute von dem Film erwartet haben. Besonders lustig wird's allerdings, wenn das Remake mit dem Original verglichen wird, das zwar einen gewissen Kult-Status hat, mehr aber auch nicht. Das Remake ist straffer erzählt, hält sich viel näher an die mythologische Vorlage (außer Io und Perseus Ziehvater sind die Figuren und ihre Konstellationen ziemlich originalgetreu) und gibt die Götter in ihrem Wesen weitaus treffender wieder. Thetis als Widersacherin von Zeus und Perseus etwa war nun wahrlich ausgemachter Blödsinn, denn Thetis war eine der wenigen Gottheiten der griechischen Mythologie, die sowohl Zeus als auch den Menschen gegenüber stets wohlgesonnen war. Im Remake ist es nun - wie ja letztlich immer - Hades. Okay, Ares oder Kronos wäre wohl weit passender gewesen - allein schon weil durch Kronos der Titel endlich mal Sinn gemacht hätte -, aber mit Hades kann man, so wie seine Motive im Film erklärt werden, ganz gut leben. Überhaupt ist Ralph Fiennes als Hades eines der wenigen echten Highlights des Films. Sein Spiel erinnert zwar etwas an seine Darstellung Lord Voldemorts, doch passt dies zu Hades eigentlich sogar besser - durchtrieben, zynisch, berechnend und zum Schein unterwürfig, wenn er Zeus gegenübertritt. Liam Neeson als Zeus wiederum ist so eine Sache. Nichts gegen Liam Neeson, aber für die Rolle fehlt es ihm an der nötigen, natürlichen Arroganz. Anders gesagt: Zeus ist wie so oft viel zu nett. Eine nette kleine Referenz ans Original ist ein kurzer "Cameo" von Athenes Eule, die im Original von mechanischer Natur war und Bubo hieß. Ziemlich zu Beginn zieht Perseus Bubo aus einer Waffentruhe und fragt, was es "damit" auf sich habe. Ihm wird geraten "es" einfach wieder zurückzulegen. Der Aufhänger der Geschichte entspricht der Sage um Andromeda und Perseus fast Eins zu Eins - nur mit dem Unterschied, dass er in der Sage (und auch im Original-Film) Andromeda nicht am Strand stehen lässt, sondern sie heiratet.
Ihr merkt schon: Über die eigentliche Handlung gibt es nicht viel zu sagen, weil es kaum welche gibt. Letztlich ist der Film etwas für so Phasen, wo man einfach mal zwei Stunden abschalten und sich von bildgewaltigen Actionsequenzen berieseln lassen will. Und solche Filme muss es letztlich ja auch geben und ich sag mal so: Zum Abschalten würde ich "Kampf der Titanen" jederzeit einem von Michael Bays Baller-und-Explosionsspektakel vorziehen - "The Rock" und "Die Insel" vielleicht noch ausgenommen. Wenn ich mir ansehe, was uns sonst so vorgesetzt wird, kann ich das Genörgel über "Kampf der Titanen" also nicht so wirklich nachvollziehen... ich kenn weit größeren Müll, der schon mit Oscars überhäuft wurde - kleiner Tipp: Fängt mit "T" an und endet auf "-itanic" ;-) (letztlich der einzige Film, über den ich wohl niemals ein positives Wort verlieren werde).

Kommen wir jetzt aber zu einem Film, über den ich noch sehr viele positive Worte verlieren werde - nämlich zu:

#9:
Ich bin ja bekennender Fan von Filmen wie "The Nightmare before Christmas" und "Coraline" und die Machart von "#9" ist ganz ähnlich. Die Story hat allerdings nicht den morbiden Humor von Henry Selick oder Tim Burton, der "The Nightmare before Christmas" und "#9" mitproduzierte. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, denn "#9" hat seinen ganz eigenen, düsteren Stil, der zu der postapokalyptischen Welt, in der er spielt, bestens passt. Auf den ersten Blick ist das Setting altbekannt: die Maschinen wurden mit künstlicher Intelligenz versehen, lehnten sich gegen ihre Schöpfer auf und vernichteten sie - kennen wir sowohl aus der "Matrix"-Reihe (Trilogie ist ja nicht ganz richtig) als auch von den "Terminator"-Filmen, denen ich mich im Übrigen bis heute erfolgreich entzogen habe - aber meine Aversion gegen Arni ist ja nichts Neues. Anders als bei diesen beiden ist bei "#9" von der Menschheit in der Tat wohl nichts mehr übrig - zumindest taucht im ganzen Film kein lebender Mensch auf. Die wenigen Menschen, die man zu Gesicht bekommt, sind entweder schon ein Snack für Geier, Maden und Hyänen oder aber nur auf Bild- und Tonträgern zu sehen. Die Protagonisten von "#9" sind neun kleine Stoffpuppen, die wie die Dharma-Kaninchen einfach durchnummeriert wurden. Als letzte Puppe erwacht #9 im Labor seines Schöpfers, der es nicht einmal mehr geschafft hat #9 eine Stimme einzubauen - als er dann später eine bekommt, wird er im englischen Original von Elijah "Frodo" Wood und in der deutschen Sprachfassung von dessen Stammsynchronstimme Timmo Niesner gesprochen. #9 findet ein merkwürdiges Objekt (ein rundes kuppelförmiges Gebilde von der Größe eines Knopfs mit Schriftzeichen darauf) und nimmt es an sich. Im Freien macht er bald Bekanntschaft mit einer anderen Puppe: #2 (gesprochen von Martin Landau bzw. Erich Ludwig). #2 merkt an, das Objekt in #9s Besitz zu erkennen, und verhilft #9 zudem zu einer Stimme. Doch dann werden die beiden von "dem Biest" (einer großen katzenähnlichen Maschine) angegriffen. #2 opfert sich, um #9 zu retten, und wird vom "Biest" verschleppt. Im Laufe der Handlung trifft #9 auch auf die anderen sieben Puppen:
#1 ist der Anführer der Gruppe, ein dogamtischer, paranoider und herrschsüchtiger Charakter, der die Gruppe zu defensivem Verhalten drängen will. Er ist der Überzeugung, es wäre das Beste, sich ruhig zu verhalten, und so ist er auch gegen #9s Plan, #2 aus den Klauen des Biestes zu retten. Letztlich ist er einfach der Inbegriff eines Pessimisten und sehr konservativ eingestellt. In seinen Augen ist der Status quo immer besser als alles, was man durch Veränderung herbeiführen könnte, denn letztlich wird nichts besser, sondern nur schlimmer. Das macht ihn zum krassen Gegenpol zum optimistischen, rebellischen und wagemutigen Charakter #9s. Gesprochen wird #1 von Christopher Plummer (O-Ton) und Fred Maire (Deutsche Fassung).
#5 ist eine Art Heiler. Er selbst verlor im Kampf sein linkes Auge, wäre aber umgekommen, hätte #2 ihn nicht gerettet. Deshalb begleitet der sonst friedfertige und eher feige #5 #9 auf der Suche nach #2. John C. Reilly (OT) und Philipp Brammer (dt.F.) liehen #5 ihre Stimme.
#8 ist ein großer, grobschlächtiger Typ und die rechte Hand von #1. #8 ist der Krieger der Gruppe - nicht sehr intelligent und manchmal ungehobelt und gehässig. Letzten Endes aber nicht wirklich unsympathisch, da er die Gruppe mit seinem Leben schützen würde. Die wenigen Sätze, die #8 spricht kommen in Wahrheit aus den Mündern von Fred Tatasciore (OT) und Torsten Münchow (dt.F.).
#7 ist der einzige weibliche Charakter, was zunächst wieder nach dem üblichen Hollywood-Schema mit einer Quoten-Frau aussieht, aber am Ende absolut logisch ist und sehr viel Sinn macht - ich will nicht zu viel verraten, aber mehr als ein weiblicher Charakter hätte die Logik der Handlung wie eine Abrissbrine zerschmettert. #7 ist eine echte Kämpfernatur, eine Kriegerin und mindestens ebenso rebellisch wie #9. gesprochen wird sie von Jennifer Connelly (O-Ton) bzw. Elisabeth Günther (dürfte euch vor allem als deutsche Stimme von Arwen in der Herr-der-Ringe-Trilogie und Bellatrix lestrange bei "Harry Potter" bekannt sein).
#6 hat einen ziemlichen Dachschaden, aber so sind die Künstler halt. #6 malt von früh bis spät und zwar immer wieder ein und dasselbe Motiv: Das merkwürdige Objekt, das #9 kurz nach seinem Erwachen gefunden hat, was schonmal überdeutlich macht, dass dieses Ding noch verdammt wichtig für die Handlung sein wird. Crispin Glover (O-Ton) und Alexander Brem (Dt.F.) leihen #6 ihre Stimme.
#3 und #4 sind Zwillinge und fungieren als Historiker der Gruppe. Sie wissen daher, wo und wie man Informationen aus der Zeit vor ihnen kommen kann. #3 und #4 können nicht sprechen und kommunizieren entweder über ihre flackernden Augen oder die jeweils gesuchten Dokumente selbst mit den übrigen Gruppenmitgliedern.
Letztlich ist "#9" ein sehr kurzweiliges und schön düsteres Fantasy-Abenteuer mit Einschlägen von Post-Apokalyptischer Science Fiction. Zunächst war ich etwas irritiert, als plötzlich alles zu Ende war (Laufzeit: knapp 80 Minuten), aber rückblickend ist die geringe Spieldauer eher ein Pluspunkt, denn spätestens seit dem Herrn der Ringe werden wir ja von allen Seiten mit auf zweieinhalb Stunden ausgewalzten Machwerken erschlagen, deren Handlung allenfalls für 100 Minuten getragen hätte, weil die Hollywood-Produzenten wohl immer meinen, alles müsse größer, lauter, schneller und zugleich länger sein - Quantität vor Qualität. Aber manchmal ist weniger einfach mehr.



Und das Beste zum Schluss. Tja, ihr dachtet das wäre gerade schon die große Lobehymne gewesen, nein, denn nun kommt ein Film, der gerade die Herzen der Fans von Filmen wie "Pans Labyrinth", "Die Brücke nach Terabithia" (zählen ja bekanntlich beide zu meinen Lieblingsfilmen) oder "Heavenly Creatures" (übrigens auch von Peter Jackson - brachte ihm seine erste Oscar-Nominierung ein) höher schlagen lässt, aber auch ziemlich starke "Lost"-Anklänge hat, denn gerade das Finale von "Lost" wurde wohl doch etwas von der Literaturvorlage dieses neuen Meisterwerks von Peter Jackson inspiriert:
In meinem Himmel/The Lovely Bones
Der Film erzählt die Geschichte von Susie Salmon (Saoirse Ronan) - "Salmon - wie der Lachs". Susie wurde vierzehn Jahre alt. Ihr Mörder wurde nie gefasst. Tja, damit ist eigentlich auch schon das Wesentliche gesagt. Wer jetzt aber einen dieser Krimis im Stil von "Es geschah am hellichten Tag" erwartet, ist mächtig auf dem Holzweg, denn Susie beobachtet von ihrem Himmel aus sowohl ihre Familie als auch ihren Mörder und nimmt sogar Einfluss auf die Welt der Lebenden. Peter Jackson gelingt eine bildgewaltige Mischung aus Psycho-Thriller, Familiendrama und Fantasy-Film - neben der Herr der Ringe-Trilogie seine beste Arbeit. Die Darstellung von Susies persönlichem Himmel erinnert zwar etwas an "Hinter dem Horizont", geht aber letztlich andere Wege und setzt andere Schwerpunkte. Der Film stellt das Jenseits auch nicht als Ort des vollkommenen Glücks dar, verklärt nicht, sondern macht deutlich, was Susie fehlt, wie sehr sie ihre Familie und das Leben, das ihr entgangen ist vermisst. Dieser ganz andere Blickwinkel auf das Thema Tod ist eine der Hauptstärken des Films, denn es wird klar: Sollte es ein Leben nach dem Tod geben, leidet der Verstorbene ebenso wie die Hinterbliebenen an der Entbehrung dessen, was man ihm genommen hat: die Menschen, die er bzw. sie liebte. Auch der Umgang der einzelnen Familienmitglieder mit dem Verlust ist großartig in Szene gesetzt: Mark Wahlberg als Susies Vater Jack ist zwar zunächst etwas gewöhnungbedürftig, aber er ist großartig in der Rolle. Nach Susies Tod hat er zunächst einen totalen Ausratser, dessen Wogen bis in Susies Himmel vordingen, und fängt sich dann, indem er wie mit Susie vor ihrem Tod abgesprochen, jeden Monat einen der vielen Filme, die sie mit ihrer neuen Kamera verknippst hat, entwickelt. Gleichzeitig hängt er sich zwanghaft in die Suche nach Susies Mörder, woran seine Ehe fast zerbricht. Susies Mutter Abigail (Rachel Weisz - man merkt schon, an tollen Schaupielern mangelt es dem Film nicht) flüchtet am Ende auf eine Obstplantage, um Abstand zu dem Tod ihrer Tochter und Jacks manischem Verhalten zu gewinnen. Großmutter Lynn (Susan Sarandon) tobt stattdessen wie ein Wirbelwind durchs Haus und versucht, Lebensfreude auszustrahlen, wo keine mehr ist. Einzig Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) unterstützt ihren Vater und gerät dadurch selbst ins Visier von Susies Mörder George Harvey (Stanley Tucci).
Fazit: Ganz großes Kino. Bildgewaltig. Emotional. Spannend. Dramatisch. Peter Jackson fährt eine erstklassige Darstellerriege auf und inszeniert ein weiteres cineastisches Meisterwerk. Allen, die nah am Wasser gebaut sind, empfehle ich allerdings, statt Popcorn lieber eine große Packung Taschentücher bereit zu halten, denn einige Szenen gehen einem doch nahe, ohne dass Jackson die Sznen emotional überfrachtet - ganz im Gegenteil: Oft sind es die winzigen Details oder kleine Randbemerkungen und Kommentare von Susie selbst, die einen treffen.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Der arme Hobbit

Wider Erwarten wird mein zweiter Post auch noch keine Review. Doch wie ich heute der imdb entnahm (laut meiner Mutter stand es aber die Tage schon in der Zeitung) hat Guillermo del Toro in Sachen Hobbit nun auch noch die Segel gestrichen - zumindest was den Regiestuhl betrifft. Das riecht für mich jetzt schon nach cineastischem Super-GAU. Denn nun sind sowohl Peter Jackson als auch Guillermo del Toro von der Regie zurückgetreten und man muss sich doch fragen: Wer bleibt da noch übrig? Mir fällt auf Anhieb kein Regiesseur ein, dem ich dieses Unterfangen zutrauen würde und der sowohl dazu bereit wäre als auch von den Studios akzeptiert würde. Natürlich liest man derzeit von den üblichen Verdächtigen: Alfonso Cuarón, James Cameron (bitte nicht!!!), J.J. Abrams, Neill Blomkamp, Terry Gilliam, David Fincher und natürlich Fran Walsh (Klar, ihr Mann will nicht mehr und jetzt soll sie, oder wie?). Auch Joss Whedon, Kevin Smith und sogar Quentin Tarantino werden in den Raum geworfen. Ist von denen irgendeiner sonderlich realistisch?
Beginnen wir mit meiner größten Horror-Vision: James Cameron (warum eigentlich nicht gleich Michael Bay oder Uwe Boll...? ich glaub Lothar Matthäus hat im Moment auch nichts großartiges vor). Lassen wir mal außer Acht, dass Cameron die nächsten Jahre eh' viel zu sehr damit beschäftigt ist, seine genmanipulierten Riesenschlümpfe durch den Dschungel zu jagen, so graust mich die Vorstellung, Mr. Mainstream könne sich an Tolkien vergreifen. Denn genau das stört mich an Cameron, hat mich schon immer an ihm gestört und wird mich auch immer an ihm stören: Seine Filme haben keine Ecken und Kanten. Ich weiß jetzt schon, dass die Mädchen sagen: "Aber 'Titanic' war so toooolll!" und meine Geschlechtsgenossen denken an den Terminator und die Aliens und... Um es kurz zu machen: der einzige Film von James Cameron, den ich mir freiwillig ein zweites Mal anschauen würde ist "Avatar" und selbst der ist allenfalls gutgemachtes Popcorn-Kino, aber letztlich hat die Handlung was von Pocahontas trifft Matrix auf Endor. Sorry, aber seine Filme sind mir einfach zu lieblos und für Tolkien braucht man einen Regisseur mit Liebe zum Detail. Kurzum: das einzige, was schlimmer wäre als James Cameron auf dem Regiestuhl des Hobbit, wäre Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin... ach, verdammt! Na, wenigstens vergreift sie sich dann nicht mehr an wehrlosen DVD-Covern. (EDit: Die Befürchtung hat sich zumindest in Wohlgefallen aufgelöst)
Ein weiterer Kandidat, der fast noch weniger überrascht, ist Neill Blomkamp. Peter Jackson meinte mal, dass "Der Herr der Ringe" von niemandem hätte gemacht werden dürfen, der die Special-Effects in den Vordergrund drängt, denn die sollen die Handlung tragen und nicht umgekehrt - eine Prämisse, der er selbst bei "King Kong" nicht mehr folgte. Blomkamp kennt man letztlich nur durch einen Film und zwar "District 9". Das war ein überaus ambitionierter Film mit vielen überaus guten Einfällen, einer starken Message und daher viel Potential - doch hier kommt das große ABER: Der ganze Film war so von Action-Sequenzen und Spezialeffekten überladen, dass für die genialen Ideen kein Platz mehr war. Alles, was an "District 9" geistreich war, wurde von Blut und Kampfrobotern erstickt. Was das für den Hobbit bedeuten könnte, dürfte wohl jedem klar sein.
Sollte Alfonso Cuarón die Regie übernehmen, wäre es nicht das erst mal, dass er für del Toro den Ersatzmann bei der Verfilmung eines Fantasy-Bestsellers gespielt hätte. Da ich Cuaróns Regiearbeit bei der Verfilmung von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" durchaus sehr schätze, wäre er sogar ein Kandidat, den man in Erwägung ziehen sollte, obgleich er einen sehr düsteren Stil hat - aber den hatten Jackson und del Toro auch.
J.J. Abrams halte ich durchaus für einen hervorragenden Filmemacher, doch seine Stärke liegt ja bekanntlich vor allem in der Innovation und originellen Ideen. Beim letzten Star-Trek-Film hat er sich nun an einen bereits existierenden Stoff gewagt. Ich persönlich konnte mit "Star Trek" nie sehr viel anfangen, habe diesen Film aber wirklich genossen, während die meisten Trekkies nicht sonderlich begeistert waren. Was sagt uns das? J.J.Abrams würde aus dem Hobbit sicher ein tolles Kinoerlebnis machen, aber ob das dann noch Tolkiens Hobbit wäre, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ganz abgesehen davon, dass ich Zachary Quinto als Thranduil ebenso befremdlich fände wie das Cloverfield-Monster als Smaug... am besten mit MiB zusammen.
Für Terry Gilliam gilt wie auch für Kevin Smith: Sie sind in aller erster Linie Satiriker. Terry Gilliam ist ein großartiger Regisseur - das hat er mehr als einmal bewiesen, doch selbst seine Filme aus Zeiten nach Monty Python hatten immer diesen zumeist sehr schwarzen Humor. Kevin Smith wiederum ist vor allem ein genialer Autor. Das gilt auch für Joss Whedon, der stets viel Situationskomik und Popkulturelle Referenzen in seine Projekte einbringt. Fazit: Alle drei richtig geniale Filmemacher (bzw. Serien-Erfinder), aber nicht die richtigen für diesen Job. Die Zeit, die sie auf den Hobbit verwenden müssten, sollten sie lieber in eigene Projekte stecken.
Wer Quentin Tarantino ins Gespräch gebracht hat, will ich lieber gar nicht wissen, aber es gibt eine Menge Gründe, die dagegen sprechen:
  1. Im Hobbit gibt es keine Folterszene
  2. In Mittelerde existieren keine Autos und folglich auch keine Kofferräume
  3. Stich wird nicht von einem schlechtgelaunten Sushipanscher geschmiedet
  4. Der Film sollte ab 12 oder allenfalls ab 16 freigegeben werden können
  5. Tarantinos Stärke ist die Inszenierung als Ganzes (das heißt auch Story, Drehbuch und Dialoge - denkt mal an "Jackie Brown")
  6. Bei der Einnahme von zuviel Pfeifenkraut muss man keinem eine Spritze in die Brust jagen
  7. "Misirlou" ist keine gute Titelmusik für eine Tolkien-Verfilmung
Bleiben noch Fincher und Walsh. Walsh halte ich einfach für so unwahrscheinlich, dass ich da nichts groß zu sagen will: Entweder macht Peter es selbst oder jemand ganz anderes. Und Fincher? Finchers Stil ist düster und seine Filme haben oft etwas Klaustrophobisches... passt einfach nicht.
Ich werfe von mir aus jetzt nochmal den Namen Darren Aronofsky in die Runde, denn der hat mit "The Fountain" gezeigt, dass er auch phantastische Themen bildgewaltig umsetzen kann. Aronofsky beherrscht sowohl die leisen als auch die ganz lauten Töne, was ihn für mich derzeit zum einzigen Regisseur machen würde, dem ich dieses Unterfangen wirklich noch zutrauen würde.
Dass del Toro raus ist, hat aber auch ein gutes: Sein nächster Film wird wohl eher kommen als erwartet. Wird es Hellboy3? Geht es mal wieder ins Spanien des Zweiten Weltkrieges? Oder doch etwas ganz anderes?